Die Rückreise nach hause gestaltete sich einigermaßen einfach. Im Gegensatz zum letzten Mal war nur ein Umstieg nötig und da dieser in Singapur lag, war der Aufenthalt auch angenehm. Aber der Reihe nach.

Zuerst musste der Camper weg. Das einzige Problem daran war das Navigationssystem, das mich erst mal in die falsche Ecke der Stadt geschickt hat. Das Gerät hat wohl seit 2011 kein Update mehr gesehen und hat daher die falsche Addresse gehabt. Da mir das in Christchurch damit zwei Mal passiert ist, empfehle ich jedem, das Navi in ChCh zu hinterfragen.
Die Abgabe als Solche war absolut problemlos. Dank Vollkasko war der Rundgang um das Gefährt reine Formsache. Vollgetankt war sowieso. Der Mitarbeiter hat unsere sachdienlichen Hinweise zum defekten Tisch und zur kaputten Abwasser-Tank-Anzeige entgegen genommen und damit wars das dann auch.

Sehr gut ist, dass es auch in Christchurch eine Tausch-Station für Vorräte gibt. Im Prinzip ist es ja so, dass man z.B. Salz zum Kochen braucht, aber die riesigen Packungen niemals leer bekommt in der Urlaubszeit. Man kann dann seine Reste (nicht nur Essen, sondern z.B. auch Gaskartuschen oder in meinem Fall Tupperware) bei der Vermietung in ein Regal legen und jeder Neuankömmling kann sich umsehen und das Speiseöl oder die restlichen 87 Müllbeutel von der Rolle mitnehmen.
Da die klassische Rundreise oft in Auckland startet und in ChCh endet waren hier viel mehr Vorräte und ich würde vermutlich anderen Reisenden empfehlen auf der Südinsel zu starten. Die Menge an Kleinigkeiten macht sich durchaus bezahlt.

Der erste Flugabschnitt war ganz okay. Die Entertainment-Anlage war leider etwas alt. Kleiner Bildschirm, schlechter Ton und die Bedienung fand ich auch unnötig hakelig. Dafür gab es etwas mehr Beinfreiheit. Da ich heute sofort wieder mit deutscher  Zeit arbeiten wollte, war ich den ganzen ersten Abschnitt über wach und habe folgende Filme/Episoden abgehakt:

  • The Flash Season 1 Episoden 1 & 2
  • The Big Bang Theory Season 8 Episoden 7 & 8
  • Friends with better lives Season 1 Episoden 9 & 10
  • Men, Women & Children
  • Sin City 2 (aber nut 20 Minuten, da standen zu viele Kinder im Gang um das mit ruhigem Gewissen zu schauen)
  • The Maze Runner
  • Cosmos: A Spacetime Odyssee Episode 7

Die Serien waren durchweg ordentlich bis gut. Cosmos ragt natürlich heraus, weil nicht nur Neil als Host sehr gut ist, sondern die Geschichte von Michael Farraday interessant ist. Plus Brannon Braga ist einer der Producer der Serie. Da konnte fast nichts schief gehen.

The Maze Runner war kurzweilige Action mit einem Coming-of-Age-Anstrich - nett.
Nachdenklich gemacht hat mich dann "Men, Women & Children" - der Film thematisiert den Einfluss des ständigen Online-Seins auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und setzt das handwerklich sehr gut um. Und ich mag den Film, obwohl Adam Sandler mitspielt.

In Singapur gelandet sind dummerweise noch 6 Stunden bis zum Weiterflug zu überbrücken, Trotz eines heroischen Sprint quer durch die riesige Transithalle gab es leider keine Plätze mehr für die kostenlose Stadtführung. Das hat mich etwas geärgert, hat aber vor Allem das dringende Bedürfnis nach einer Dusche unterstrichen.
Das Tolle an Changi-Airport ist, dass die da so ziemlich alles haben. Neben den kostenlosen Stadtrundfahrten gibt es auch kostenloses Kino und einen (leider nicht kostenlosen) Swimmingpool.

Dafür musste ich nochmals quer durch den Flughafen, habe dann aber für 14 Singapur-Dollar Zutritt bekommen, plus ein alkoholfreies Getränk. Das fand ich ganz fair. Der Pool ist nicht sonderlich groß und auch sehr flach, hat aber völlig gereicht um ein paar Runden zu drehen und den müden Rücken zu überreden, doch noch mal 13 Stunden Flug mit zu machen.

Um meinem Rhythmus näher zu kommen war nach dem zweiten Einchecken (zu dem Zeitpunkt war ich etwa 22 Stunden wach [6 Stunden zwischen Aufstehen und Abflug + 10 Stunden Flug + 6 Stunden Singapur]) ein noch ein Ziel vor Augen: Augen zu und Schlafen. Das hat ganz gut funktioniert, obwohl die Beinfreiheit im zweiten Flieger geringer war.
Nach dem Aufwachen (Ortzeit in Deutschland vermutlich irgendwas zwischen 2 und 3 Uhr heute morgen) kam dann das Entertainment-Programm wieder dran. Zum Glück war das etwas neuer und bot zusätzliche Filme und Serien-Episoden an. Also auch hier die Aufstellung:

  • The Flash Season 1 Episode 3
  • Edge of Tomorrow
  • The 100 Season 1 Episoden 1, 2, 3, 4 und die ersten 30 Minuten von Episode 5

Leider muss man bei Singapur-Airlines während des Landeanflugs auf das Entertainment verzichten und muss ich auf Fluggeräusche und das Gewackel der Turbolenzen konzentrieren. Darum konnte ich die letzte Episode nicht zuende schauen.

Die Serien bleiben gut. The Flash hatte ich auf Deutsch noch nicht gesehen und ich muss sagen - ist solide Unterhaltung.
The 100 fand ich interessant, da ich die Serie überhaupt nicht kannte und die Story eigentlich sehr spannend ist. Leider haben die Produzenten wohl gedacht, dass die 14-Jährigen dringend was zu sehen bekommen sollten und so ist jede Menge Beziehungsgeflecht eingebaut und davon bin ich nicht sonderlich überzeugt worden.
The Edge of Tomorrow wiederum ist ein guter Sci-Fi-Film mit Tom Cruise. Im Prinzip hätte man Bill Murray auch fragen können, ob er "Und täglich grüßt das Murmeltier" nicht im Jahr 2052 spielen möchte. Trotzdem - gut gemacht und durchaus unterhaltsam.

Die letzten Meter vom Flughafen bis heim hat dann der treue BMW übernommen und ich muss sagen - der fährt sich etwas anders, als der 2-Tonnen-Crafter, den ich die letzten Wochen über neuseeländische Landstraßen gejagt habe :-)

Es ist gut wieder daheim zu sein, aber ich würde jederzeit wieder nach NZ fliegen. Falls jemand noch ein Ticket rumliegen hat - meldet euch einfach spontan bei mir. Ich schaue, was sich machen lässt ;-)

Die letzte Nacht war fantastisch. Endlich war der Vollmond verdeckt und die Sterne waren zu sehen. Und nicht nur die bei uns bekannten Sternbildern, sondern die Bilder der Südhalbkugel. Ich erkenne den Gürtel des Orion, doch darum sind nicht nur die vier hellen Sterne zu erkennen, welche wir (zumindest in den Städten) kennen und sehen, sondern Dutzende kleinerer Sterne. Ich erkenne seit Jahren zum ersten Mal wieder die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht.
Ich habe versucht die Sterne mit meinem Fotoapparat zu fangen, doch trotz aller Übung, die ich mittlerweile mit  dem Gerät habe und trotz einer kurzen Google-lei findet sich kein gutes Bild. Das wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen (man muss nicht nur die Kamera gut einstellen, im Normalfall sollte man auch in eine bestimmte Himmelsrichtung fotografieren um die Auswirkungen der Erdrotation gering zu halten.
Also bleibt mir vor allem die Erinnerung und das schöne Gefühl auch diesen Wunsch auf meiner Liste erfüllt zu bekommen.

Banks Peninsula bei Akaroa
Banks Peninsula bei Akaroa

Am Morgen ist ausschlafen angesagt und der Camper bewegt sich erst nach 10 Uhr wieder auf die Straße. Der kurzzeitige Plan nach Akaroa zu düsen und noch einen Segeltörn einzulegen ist noch beim Frühstück gestorben - zu heiß, zu spät.

Der Weg führt also zurück nach Christchurch und nach einem kurzen Stop bleibt der VW Crafter stehen und ein Bus bringt mich in die Innenstadt.

Diese habe ich nun drei Mal gesehen:
* 2008 in ihrer vollen Blüte
* 2013, zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in der Innenstadt und jetzt
* 2015

Das Beben gehört zu den größten nationalen Katastrophen der Nation, auch wenn die Opferzahl mit 185 glücklicherweise deutlich niedriger als zu erwarten war. Der Wiederaufbau wurde seinerzeit auf 10 Milliarden NZ-$ geschätzt, hat aber bisher schon über 40 Milliarden verschlungen.
Noch immer sieht man, dass der Stadt ihr Zentrum entrissen wurde - am ehemals geschäftigsten Platz "Cathedral Square" klaffen Löcher in der Sillouette der Stadt.

Kathedrale von Christchurch Januar 2015
Kathedrale von Christchurch Januar 2015

Gleichzeitig sieht man auch, was in den letzten zwei Jahren geschafft wurde. Nur noch wenige Gebäude in baufälligem Zustand stehen hier. All diesen Gebäuden wurden mit Holzpanelen die zerborstenen Fenster geschlossen.
Gänzlich fehlt die so genannte "Red Zone", welche noch 2013 weite Teile der Innenstadt für die Öffentlichkeit absperrte, weil die Gefahr in diesem Bereich zu groß war. Hinzugekommen sind neue Gebäude, die Hoffnung machen und man sieht an vielen Ecken die Strukturelemente neuer Gebäude.

Neue Bauten in Christchurch
Neue Bauten in Christchurch

Die Stadt hat viel von ihrer touristischen Anziehungskraft verloren und das sieht man im Straßenbild. Es sind viel weniger Touristen unterwegs, weniger Leben auf den Straßen und Plätzen. Eine echte Oase der Schönheit und damit auch Fokuspunkt der Touristen ist jedoch der botanisch Garten mit seinen großzügigen Grünflächen mit riesigen schattenspendenen Bäumen, sowie liebevoll bepflanzten und gepflegten Beeten.
Als besonderes Highlight darf wohl der Rosengarten im Zentrum gelten: symmetrisch angelegt mit vielen einzelnen Beeten für unterschiedlichste Rosensorten. Leider sind viele jetzt zur Mitte Januar bereits angewelkt und werden wohl nicht mehr lang zu bewundern sein.

Blick in den botanischen Garten
Blick in den botanischen Garten

Die Stadt zeigt eindrucksvoll, wie optimistisch die Menschen Neuseelands sind - allesamt Einwanderer. Allesamt mit einer Natur konfrontiert, die immer wieder zeigt wer stärker ist und trotzdem immer freundlich, optimistisch und zu Abenteuern bereit...

Re:Start Mall - nach dem Erdbeben 2011 aus Containern erbaut - Symbol für den Wiederaufbau
Re:Start Mall - nach dem Erdbeben 2011 aus Containern erbaut - Symbol für den Wiederaufbau

Heut morgen ging es etwas früher aus dem Bett - 6:30 klingelte der Wecker. Selbst für mich nicht zwangsläufig Wohlfühlzeit im Urlaub. Aber nach dem Frühstück musste der Campervan noch versorgt werden und dann ging es auch schon ab zu den Kayaks.
Wie immer unterschreibt man, dass der eigene Tod einkalkuliert ist und niemand irgendwen verklagen wird, weil er/sie sowieso keine Chance hat.
Dann folgt die Einweisung ins Kayak und die Sicherheitseinweisung. Alles in gutem Kiwi-Englisch, also für Manche schwer zu verstehen.

Als das Kayak im Wasser ist, fühlt es sich an wie letztes Mal im Abel Tasman. Das Boot liegt ruhig im leichten Wellengang, das Paddeln geht gut von der Hand, nur der Rhythmus ist schwer zu halten. Schon wenige Meter aus der kleinen Bucht heraus sehen wir einen der kleinen blauen Pinguine, die hier die Küsten bevölkern. Das Kerlchen streckt nur kurz seinen Kopf aus dem Wasser, schaut sich um und schwimmt dann dem Publikum davon. Das war auch das letzte Bisschen Pinguin für heute.
Spaßiger sind die Robben, die hier um Kaikoura zu jeder Jahreszeit abhängen. Robben sind nachtaktiv und jagen in den reichhaltigen Gewässern um die Halbinsel herum jede Nacht um die 10 Kilo Fisch pro Nase. Tagsüber legen sich die pfeilschnellen Säuger dann auf die Felsen und sonnen sich. Würden wir auch so machen - nach der Nachtschicht legt man sich irgendwo ins Warme und genießt die Ruhe.
An der South Bay finden sich in Kaikoura nur männliche Exemplare und allesamt Junggesellen - die Weibchen sind mit der Jungen etwas nördlich am Ohai Stream (wie gestern erwähnt).
Eine der Robben zeigt sich dann auch verspielt an unserer Gruppe von 10 Kayaks.Der Bursche dreht Rollen und Piruetten im Wasser, taucht unter unseren Kayaks hindurch, springt drei Mal hintereinander aus dem Wasser als wäre er ein Delfin und winkt mit seiner Flosse. Wir scherzen schon, ob er trainiert wurde, als er keine Lust mehr hat und sich davon macht.
Wir haben bis zu dieser Begegnung genug Robben auf den Felsen gesehen und Paddeln zufrieden durch den zunehmenden Wellengang zur Bucht zurück.
Nach knapp zwei Stunden auf dem Wasser ist der Spaß vorbei und 60 Euro "verbraucht". Bilder gibt es davon nicht. Salzwasser fand ich für die neue Kamera zu gefährlich und manchmal muss man einfach mit den Augen genießen statt mit der Linse...

Robbe am Aussichtpunkt bei Kaikoura (wer sie findet darf ssich freuen)
Robbe am Aussichtpunkt bei Kaikoura (wer sie findet darf ssich freuen)

Zum ersten Mal überhaupt stehe ich vor der Frage: was mache ich nun? Der ursprüngliche Plan hat den heutigen Tag als Puffer für Abweichungen vorgesehen, den es jetzt nicht braucht. Gleich nach Christchurch und zwei Tage dort verbringen? Hoch nach Hanmer Springs und in heißen Thermen baden?

Die Entscheidung fällt schließlich auf Akaroa. Eine Halbinsel etwa 70 Kilometer hinter Christchurch, die ich noch nicht gesehen habe. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll und die letzten 18 Kilometer gehen im Schneckentempo einen Berg hoch und wieder runter. Schneckentempo meint hier: enge Kurven mit maximal 35 km/h bei vollem Gegenverkehr (besonders Busse!).
Doch das Ziel entschädigt: wieder ist Freedom Camping angesagt. Direkt am Wasser, mit öffentlicher Toilette, ohne Bezahlen. (French Farm Bay für die Nachmacher)

Akaroa Halbinsel von French Farm Bay
Akaroa Halbinsel von French Farm Bay

Heute morgen bin ich schon sehr früh aufgewacht und habe den Vögeln beim Singen zugehört. Es ist mittlerweile morgens etwas frisch, daher habe ich noch schnell die Heizung des Campervans angeworfen - die verbrennt  Diesel und zieht von der Batterie um den Lüfter zu drehen, der die heiße Luft ins Innere bläst.

Freedom Camping am Lake Ellesmere
Freedom Camping am Lake Ellesmere

Nach dem kleinen Frühstück geht es wieder auf die Straße. Da es regnet (nicht arg, aber doch merklich) ist die Stimmung leicht gedrückt. Es geht vorbei an Christchurch nach Norden. Die Landschaft wandelt sich wieder deutlich und schnell geht es über enge, kurvige Gebirgsstraßen in ein küstenahes Gebirge und anschließend wieder runter bis ganz ans Wasser.
Nach drei Stunden ist Kaikoura in Sicht und der Plan ins Kajak zu steigen fällt buchstäblich ins Wasser. Gut nur, dass der Wetterbericht für morgen Sonnenschein und 22 Grad ansagt. (Bei Neuseeländischer Sonnenstrahlung entspricht das in etwa 30 Grad in Deutschland.)
Also wird die Kajak-Tour gleich für morgen früh gebucht. 8:30 Start am Steg.

Da der Tag noch jung ist, geht es als nächstes zu einer Schaffarm. Nach einer ausgiebigen Mittagspause wird zuerst Mal ein Lamm mit der Flasche gefüttert. Das Tier ist unglaublich dick eingepackt und super-hungrig. Danach zeigte der Hirte, wie man ein Schaf schert. Dabei hat er Slow-Motion gemacht, da der aktuelle neuseeländische Rekordhalter durchschnittlich 37,2 Sekunden für ein ganzes Schaf braucht. Beeindruckend!
Eine kleine Erklärung zur Wolle später weiß ich, warum die Anzahl Schaffarmer stark rückläufig ist - pro Schaf macht man 12 NZ$ Umsatz pro Jahr. Das sind acht Euro.

Ein Schaf wird geschoren
Ein Schaf wird geschoren

Daher hat Allen auch nur noch 300 Schafe, von denen je zwei pro Tag zum Friseur müssen um den Touristen zu zeigen, wie das geht. Dafür verlangt er 12 NZ$ pro Nase und kann, je nach Gruppengröße also zwischen 12 und 96 Dollar pro Tag verdienen. Klingt nach einem besseren Geschäft.
Ob das wiederum reicht um die Famile durchs ganze Jahr zu bringen wage ich zu bezweifeln. Aber vermutlich kann er zwischendurch auch andere Sachen erledigen.

Die letzte Station ist mal wieder - ein Wasserfall.
Im Winter (April) baden hier kleine Robben, was sicherlich toll anzusehen ist. Für Winterurlauber: Ohau Stream ist das Stichwort.

Ohau Falls
Ohau Falls