Der Morgen hielt eine kleine Überraschung für uns bereit: bei dem Schmuddelwetter gestern haben wir diesen Blick verpasst. Direkt von unserem Campingplatz aus ist einer der zwei großen Vulkane des Tongariro-Nationalparks zu sehen.

20190117 Blick vom Camper

Der Anblick begleitet uns und der super-schöne Kegel des Mount Ruapehu winkt uns dann auch noch zu. Begeistert war ich natürlich von dem Schild, dass auf freilaufende Kiwis hinweist. Ich kann mir wenig vorstellen, dass den Besuch in Neuseeland noch abrunden könnte. Freilebende Kiwis könnten so etwas sein.

20190117 Kiwi Crossing

Im Tongariro-Nationalpark hatten wir eine kleine Enttäuschung. Der geplante Walk war nicht möglich, da hier oben eine neue Gondel gebaut wird. Es ist in der aktuellen Hitze (morgens schon um die 25 Grad und das fühlt sich hier an wie 32 bei uns) kaum vorstellbar, aber die vielen Schneekanonen unterstreichen es. Am Anfang nahm ich das Schild „Vorsicht Klippe“ nicht so ganz ernst, aber dieser Blick in Richtung Parkplatz hat mir dann mal wieder gezeigt, dass die Neuseeländer bei sowas nicht spaßen.

20190117 Cliff

Auf dem Weg aus dem Nationalpark heraus haben wir uns dann noch die Tawhai Wasserfälle angesehen. Hier einfach mal zwei verschiedene Blickwinkel für euch.

20190117 Tawhai Falls

20190117 Tawhai Falls unten

Danach ging es am späten Vormittag weiter zum Lake Taupo. Auf der Suche nach einem guten Campingplatz für dessen Gebühr wir keine Niere opfern müssen haben wir einen tollen Rastplatz gefunden, der einfach zum Sonnen und Baden einlädt. Der See ist leider eiskalt.

20190117 Lake Taupo Rastplatz

Trotzdem total schön dort.

Den heutigen Tag wollen wir früh beenden und fahren darum weiter bis zum Thermal Valley nahe des Ortes Taupo. Den Campingplatz kennen wir noch von einer vorherigen Reise und tatsächlich ist noch so ziemlich alles wie „damals“. Allerdings sind Alpakas dazu gekommen und die Hühner sind süßer und frecher geworden.

20190117 Thermal Valley Alpakas

20190117 Thermal Valley Huehnerfamilie

20190117 Thermal Valley Huhn zu Tisch

Wir lassen den Abend mit leckerem deutschen Essen ausklingen. Morgen Abend soll es Maori-Gerichte geben, wenn es mit der Buchung klappt. Ich bin gespannt.

 

Ich dachte mir, dass ihr vielleicht ein paar Einblicke in unseren Campingplatz von heute haben möchtet. Im Allgemeinen lässt man sich gegenseitig viel Platz und viele Camper bauen neben dem Auto noch ein Zelt oder ein paar Campingstühle auf um nicht nur klaustrophobisch im selben 2x1,5 Meter-Raum zu sitzen.20190116 Campingplatz Ueberblick

An sehr vielen Campingplätzen gibt es ein Plumpsklo – liebevoll „Long Drop“ genannt – und so auch hier. Die Sauberkeit der Örtlichkeiten unterscheidet sich natürlich von Platz zu Platz. Ganz allgemein gesagt sind öffentliche Toiletten in Neuseeland allerdings um Längen sauberer als in Deutschland. Und obendrein fast ausschließlich kostenfrei. Da kann sich Deutschland mal eine ganz große Scheibe abschneiden! Und wenn ich gerade beim Thema bin: heute habe ich den neuen Goldstandard für Wickelräume gesehen. In eine Mall in Palmerston North. Da gab es zwei Vorhänge mit Ledersessel dahinter zum Stillen, einen Raum den ich für eine Dusche hielt, natürlich Wickelflächen und Waschbecken und obendrein noch eine Mikrowelle, falls es Fläschchen gibt. Dieser „Parents Room“ war separat und picobello.

20190116 Campingplatz Longdrop

Naja… zurück zum Campingplatz ohne Parents Room. Viele der Plätze sind sehr schön gelegen. Gerade jene vom DOC verwalteten, aber auch gänzlich kostenfreie wie der heute Nacht. Einige Meter unterhalb des Platzes floss dieser wunderschöne Fluss entlang. Kristallklares Wasser, ziemlich kalt und im Moment auch schön ruhig.

20190116 Campingplatz Fluss

Es war toll da runter zu laufen und dem Wasser einfach ein paar Minuten zuzuschauen. Sehr beruhigend…

Danach ging es wieder auf eine lange Fahrt. In Summe ging es heute ungefähr 300 Kilometer weit. Dank der kurvigen Straßen hat es aber fünfeinhalb Stunden gedauert. Und das war größtenteils State Highway, also vom Rang einer Autobahn! Überlegt euch mal, wie weit ihr in 5,5 Stunden auf einer deutschen Autobahn fahrt, wenn kein Verkehr herrscht.

Die Fahrt entschädigt aber immer wieder. Zum Beispiel an dieser Stelle: wo acht verschiedene Flüsse im Laufe der Jahrtausende ein ungewöhnliches Muster in die Landschaft rissen.

20190116 Flussbette

Der Weg führte und heute auch nach Palmerston North (wer aufgepasst hat, weiß das schon vom zweiten Absatz). Dort haben wir erneut das DOC besucht um einen guten Wanderweg zu finden. Zwar waren wir erfolglos, dafür haben wir aber ein paar seltene Tiere in ausgestopfter Form gesehen. Dieser kleine, blaue Pinguin ist ein Vertreter der weltweit kleinsten Pinguinart. Süßer Geselle, oder?

20190116 DOC Pinguin

Natürlich ging es in die Mall und anschließend auch noch in einen Pak‘nSave. Wer sich gefragt hat, wo man in NZ feiern geht: die Jungs in Gelb haben das mal klar gestellt.

20190116 Dancefloor

Für die Interessierten, hier mal wieder ein paar Preise:

  • Penne (nicht die billigsten) 500g: 0,99$
  • Pam‘s Tomatensoße 420g: 0,99$
  • Pam‘s UHT Milch Standard 1 Liter: 1,69$
  • Kumara Chips 100g Tüte: 3,89$
  • Tongariro Wasser, still 5 Liter: 3,79$
  • Value Tiefkühlgemüse: 2,19$

Auf dem Weg in die Tongariro-Nationalpark machen wir nun Rast an einem kleinen DOC Campingplatz und haben etwa 45 Minuten vor Abschluss der Tagesetappe noch eine kleine Rast eingebaut, einen Coffee-to-go geholt und etwas Besonderes geöffnet:

20190116 Cupcake Magic

Wellington begrüßte uns heute mit typischem Wetter – sehr windig. Später kamen auch noch Nieselregen und Sturmböen dazu. Letztes Mal wars schöner.

20190115 Wellington Waterfront

Trotzdem bleibt die Stadt ein kleines Juwel – nicht zuletzt wegen des Nationalmuseums Te Papa.

Schon davor wird man mit Wissen begrüßt – jeder Globus stellt etwas anderes dar. Ganz links die Masseverteiltung und echte Form der Erde, ganz Rechts das Relief ohne Ozeane und dazwischen zwei Darstellungen, die ich nicht gleich durchschaut habe.

20190115 Wellington Te Papa Globes

Der Eintritt ist frei und das Museum hat nur am 1. Weihnachtstag geschlossen. Hier ist alles zweisprachig beschriftet: Maori und Englisch. Ich finde das Klasse – so erhält man eine Sprache am Leben, die von einer Minderheit gesprochen wird. Auch die multimedialen Beiträge, insbesondere für Kinder, können auf Maori eingestellt werden.

Das Museum wird gerade umgebaut: einerseits wird eine Neugestaltung der naturkundlichen Abteilung durchgeführt, zum Anderen gibt es einen neuen Bereich zur Rolle Neuseelands in den verschiedenen Kriegen der Welt – erster und zweiter Weltkrieg natürlich, aber auch Koreakrieg und andere.

Eine Sonderausstellung hatte die Terracotta-Armee von China zum Thema, war mir mit 20 Dollar Eintritt dann aber nicht reizvoll genug.

Spannender fand ich die Sektion zur Urbarmachung des Landes, welche sich mit den Veränderungen von Landschaft und Flora&Fauna durch die ersten Siedler und dann später die Europäer beschäftigte. Eine Nische war dann z.B. dem Gedanken an verlorene Tierarten gewidmet. Jede Tierart aufgelistet und dazu ein gesungenes Gebet der Vergebung und Erinnerung auf Maori. Für mich auf jeden Fall bewegend. Denn hier sind viele Arten unwiederbringlich verschwunden. Und es fehlt nicht viel und weitere verschwinden. Ich beglückwünsche Neuseeland zu den bereits gemachten Anstrengungen Naturschutz und Ökonomie zu kombinieren und ich hoffe, dass sie noch viel mehr Erfolge damit feiern.

20190115 Wellington Te Papa Ausrottung

Durch alle Bereiche zog sich wieder der Wunsch auch schon den Jüngsten etwas mitzugeben und das Interesse an dem zu Wecken, was die Erwachsenen bewegt. Dazu wurde z.B. ein Standard-Container aufgestellt mit typischen Gegenständen, die Reisende an der Grenze Neuseelands dabei haben. Und die Aufgabe für die Kinder ist alle Gefahren für die Biosicherheit Neuseelands zu finden.

Da öffnet man z.B. einen Koffer in dem jede Menge Pflanzen liegen. Es geht ein Licht an und beleuchtet die Tafel mit Erklärungen, warum diese Pflanzen nicht ins Land dürfen. Fand ich auch spannend.

20190115 Wellington Te Papa Invaders

In Wellington kann man übrigens auch toll Shoppen gehen, habe ich gehört. Ich habe mich nur in ein paar Souvenir-Shops herum getrieben und über das folgende Schild geschmunzelt.

20190115 Wellington BeBaBo

Das waren übrigens fast nur dänische Legosteine und deutsche Ravensburger-Spiele.

Irgendwann hieß es dann Abschied nehmen von Windy Wellington nur um eine knochenharte Fahrt anzutreten. Erst der Spaß mit dem Camper durch die Vororte zu fahren – ich LIEBE aneinander gereihte, doppelspurige Kreisverkehre – und dann eine Straße mit vielen, engen Sepentinen, die sich auf den Berg hinauf und dann wieder hinab schraubte. Das Ganze bei Regen, vielen LKW auf der Gegenspur und in Gipfelnähe dann auch noch quer durch eine Wolke, was die Sicht auf 20 Meter reduzierte.

Es hat sich aber gelohnt. Wir stehen mitten in einem dichten Regenwald auf einer netten Fläche. Unter uns der Hutt River und auf dem Weg gab es wieder Schafe, Rinder und sogar eine kleine Herde Alpakas zu sehen. Sehr versöhnlich.

 

Heute war ein eher langweiliger Tag. Ein später Start war eingeplant, da unsere Überfahrt von der Süd zur Nordinsel mit 11:15 angesetzt war. Der Campingplatz ist nur knappe 30 Minuten von der Fähre entfernt. Da man eine Stunde vorher eincheckt und sich in eine vierspurige Warteschlange stellt, soll man allerdings etwa eine Stunde vorher da sein.

Der Checkin war einfach. Danach die richtige Spur zu finden irgendwie weniger intuitiv. Dank der sehr freundlichen Hilfe eines Zoll-Mitarbeiters war es dann aber okay. Der lief herum und fragte, ob man sich in Flüssen und Gewässern herumgetrieben habe. Angeln oder Bootsfahrten oder so. Ihm gehts um Biosecurity – viele Gewässer sind von invasiven Algenarten belastet und man möchte die Verbreitung stoppen. An vielen Gewässern steht daher „Check, Clean, Dry“ - man soll sein Equipment prüfen, säubern und trocknen lassen, bevor man weiter fährt. Die Kontrolle war allerdings sehr lax.

Dann kam ein zweiter Check, der immerhin tatsächlich geprüft hat, was ich sagte. Die Frage war, ob die Gasflasche im Camper abgedreht ist. Hier musste ich kurz raus und die kleine Klappe öffnen. Der Mitarbeiter hat dann mal kurz an der Flasche gedreht um zu schauen, ob wirklich zu ist. War es natürlich.

Da die Kontrolle recht flott ging und noch nicht viel los war hat er sich dann noch zu uns gestellt und wir haben ein wenig geredet. Wie der Zufall es so wollte: der Schwager seiner Mutter ist aus Stuttgart. Da hatten wir gleich was zu erzählen. Natürlich nicht sehr lang und der breite Akzent hat es mir schwer gemacht alles zu verstehen, aber es war ein toller kleiner Austausch.

Anschließend ging es auf die Fähre. Das sind wirklich große Schiffe – oft fährt auch eine Bahn mit. Auf jeden Fall haben Laster Platz und natürlich jede Menge Campervans, wie man auf dem Bild sieht. Jeder muss sein Fahrzeug selbst parken, sie werden nicht weiter befestigt.

20190114 Interislander Vehicle Deck

Danach heißt es: ab aus Passagierdeck mit euch. Die knapp 100 Kilometer verbringt man nicht im Fahrzeug, da dies bei einer Evakuierung zu kompliziert wäre.

Die Fähre bietet ausreichend Platz, man sieht ihr aber ihre 10 Jahre mit Volllast an. Nichts ist kaputt oder wirklich verschlissen, aber es wirkt wie das saubere, hübsche Wohnzimmer von Oma. Nicht mehr ganz zeitgemäß, aber gemütlich. Ein Shop und mehrere Restaurants laden dazu ein, sein Geld auszugeben.

20190114 Interislander Passenger Deck

Auch für die Kinder wird gesorgt – es gibt einen Malwettbewerb mit zwei Gewinnern – ein Kind unter 6 Jahren und eines über sechs. Als Preis winkt ein Gutschein im Wert von 10 Dollar, welcher auf der Fahrt noch in Pommes, Süßigkeiten oder ein Souvenir verwandelt werden kann.

20190114 Interislander Wettbewerb

Zusätzlich sind auf dem Schiff eine Spielecke und an vielen Fenstern kleine Geschichten versteckt, damit die Kleinen rumrennen und etwas entdecken können. Für die Großen gibt es 4 Stunden oder 100MB Internet kostenfrei – was auch immer zuerst aus ist. Ich hatte auf das Volumen getippt. Leider ist das Netz so langsam, dass die Fahrt vor dem Kontingent vorbei war.

Aber reicht für ein paar Mails.

Und vielen Reisenden war auf unserer Fahrt sowieso nicht so nach Entdecken und Lesen. Es war durchaus huckelig und zwischenzeitlich hat man aus dem Fenster nur das Wasser gesehen, dass gefühlt im 90 Grad Winkel stand. Ganz so schlimm war es nicht, sah aber trotzdem dramatisch aus. In etwa zu dem Zeitpunkt wurde der Sitzbereich auch deutlich leerer. Die Gänge und das „Sonnendeck“ füllten sich. Tüten wurden verteilt und einige davon auch von den hilfsbereiten Passagieren aufgefüllt. So oder ähnlich ;-)

20190114 Interislander Fahrt

Nach der Fahrt haben wir uns in Wellington noch etwas Luxus gegönnt.

Einerseits haben wir eine deutsche Bäckerei besucht. „Richtiges“ Brot, ein kleiner Laib so um die 9 Dollar (gute 5-6 Euro), war uns zu teuer, aber eine Brezel für die Stuttgarter war wichtig. Und sie war nicht schlecht.

20190114 Wellington Bakery

Der zweite Luxus ist eine Eckbadewanne im Top 10 Holiday Park in Wellington. Das ist einer der teuersten Campingplätze bisher mit 55 Dollar (33 Euro) für Zwei im Campervan, aber der ist auch super ausgestattet, nah an der Stadt und alles inklusive. Das Wasser ist schön heiß, das WiFi mit 1GB je Gerät großzügig und alles in Schuss.

20190114 Wellington Luxus

Der dritte Luxus war: Heizstrahler an. Mit Strom können wir es sehr schnell wohlig warm machen und das haben wir uns heute mal gegönnt. Das geht übrigens auch mit der Gasflasche recht einfach, aber das macht nur Sinn, wenn es keinen Strom gibt.

Mit drei Mal Luxus schläft es sich natürlich dann auch schnell.