Der heutige Tag war leider deutlich weniger spannend als er hätte sein müssen. Tipp für jeden Reisenden: Bucht eure Fähre zwischen den Inseln auf früh morgens. Es ist weit einfacher alles Abends zu richten und dann pünktlich bei der Fähre zu sein, als den halben Tag auf die Fähre zu warten.
Meine Überfahrt war für 14:45 geplant. Mit Fahrzeug muss man eine Stunde eher da sein - 13:45. Um sicher zu gehen (als guter Deutscher) plane ich noch etwas eher ein.
Dumm nur, dass man 10 Uhr vom Campingplatz verschwunden sein muss. Bleiben also noch fast vier Stunden. Zu wenig für Te Papa. Zu viel um einfach zu warten.

Zum Glück kann man einkaufen gehen. Die Reserven aufstocken. Zum Vergleich mal wieder Preise:
120g Schinken - 2,44 $
Karotten 1,5kg - 4,50 $
Toastbrot 600g (extra-fluffig) - 1,00 $
Coca Cola 1,5l - 3,39 $ (mit Rabatt 2 $)

Leider war danach immer noch viel, viel Zeit und da es dann wirklich nicht mehr für Wellington gereicht hätte, habe ich mich als 9. in die Schlange für die Fähre gestellt und dann noch gute drei Stunden Sitzfleisch bewiesen. Minesweeper sei Dank!

Die Fähre
Die Fähre

Leider, leider heißt früh aufstellen bei der Fähre nicht, dass man früh dran kommt. Wieder ein Tipp für andere Reisende: kommt wirklich erst eine Stunde vor Abfahrt.
Tatsächlich war ich nicht nur der 9. der da stand, sondern auch einer der letzten, der auf die Fähre durfte. Und weil das Ding schon gut voll war, hieß es: geh mal aufs Zug-Deck. Und fahr bitte rückwärts über die Schienen rein. Zwei Campervans durften das versuchen. Beide wurden letzten Endes vom Fährpersonal rein gefahren. Die anderen Campervans in der Reihe wurden irgendwo anders abgestellt... warum wohl?!

Von der Fähre aus
Von der Fähre aus

Die Überfahrt war dann wieder total schön. Die Fähre lag extrem ruhig im Wasser, sie war nicht sonderlich voll (gefühlt) und lässt sich sehen. Im Foodcourt gibt es Hähnchen-Nuggets und Pudding, an der Bar kann man Bier oder Latte bestellen und im bordeigenen Kino läuft ein Kinderfilm.
Zusätzlich tritt ein Zauberer auf, es gibt eine Wickelstation mit Gitterbetten zum Schlafen und jede Menge Spielzeug.
Und nach etwas mehr als der Hälfte der Fahrzeit kommt dann auch der Malborough Sound in Sicht und man kann einfach Landschaft gucken. Und wie!
Das Wetter war wieder fantastisch und trotz des kräftigen Fahrtwindes konnte man im T-Shirt draußen stehen und Fotos machen. Das haben dann auch Alle gemacht.

Nach der Ankuft durfte ich als dritter oder vierter raus fahren. Und dann gleich ab auf den State Highway in Richtung Campingplatz für heute Nacht. Geplant war ein sehr ruhiger, einfacher Campingplatz am Rande der SH63. Leider hat mein Handy die SMS, dass alles gut ist nicht verschickt und bevor sich die Verwandschaft den Kopf zerbricht bin ich dann weiter gefahren - Empfang war leider nicht an dem einsamen Campingplatz.
Also weiter, weiter, weiter. Schließlich habe ich in St. Arnaud wieder Empfang und die Nachricht geht raus.
Da ich sowieso nach St. Arnaud wollte, passt das jetzt wieder und der Campingplatz am Lake Rotoiti ist unglaublich schön...

So hat der Tag nach viel Warterei und einer ungeplant langen Fahrt doch noch ein schönes und versöhnliches Ende genommen.
Wenn nur diese Horden an Sandflies nicht wären :-(

Lake Rotoiti
Lake Rotoiti

Heute war die Hauptstadt Neuseelands Programmpunkt. Vorher musste aber noch eine Reparatur am Campervan organisiert werden. Seit gestern piepst die Warnleuchte für die Beleuchtung auf. Ein paar einfache Anrufe, weil ich immer zu blöden Zeiten dazu komme später habe ich einen Termin um 10 Uhr, etwa zwei Minuten Fahrt vom Campingplatz entfernt. Perfekt.
Weil ich ungeduldig bin, tauche ich eine halbe Stunde zu früh auf und werde trotzdem bedient. Das Wechseln der Birne geht erstaunlich problemlos am VW Crafter. Mein BMW hätte vermutlich ein Mal auseinandergebaut, gereinigt und wieder zusammengesetzt wollen.
Danach ging es per Bus in die Stadt. 8,50 NZ$ für ein Tagesticket ist fair. Die Fahrt dauert fast 50 Minuten, weil hier alle Ecken mitgenommen werden, aber mich als Tourist stört das natürlich wenig.

Old Saint Paul's
Old Saint Paul's

Meine erste Station ist die alte Kathedrale St. Paul's. Dieses noch immer geweihte angelikanische Gotteshaus ist heute eine Art lebendes Museum. Und gleichzeitig eine Ikone. Für die englischen Siedler brachte der gotische Holzbau etwas von der Heimat zurück. Es wurden die selben Liederbücher und die gleiche Bibel genutzt, wie in der alten Heimat.
Ich bin von der Bauart und der Schnitzkunst beeindruckt.

Zweite Station ist die Waterfront und auf Empfehlung hole ich mir ein Eis von "Kaffee Eis". Sehr lecker!

Dieses Mal geht es nicht ins Te Papa - dieses fantastische, kostenlose Museum braucht einfach einige Stunden und ich hoffe einfach, dass sich nicht soooo viel verändert hat im Vergleich zu meinem letzten Besuch.
Stattdessen finde ich mich für die letzte Tour im Parlament ein. Leider kann ich euch keine Bilder aus dem Inneren liefern. Nach einer Security-Kontrolle wie am Flughafen muss jeder Kameras und Handys abgeben.

Das aus vier Gebäuden bestehende Parlament vereint verschiedene Stile und ist durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Das "Beehive" genannte Gebäude beherbergt den Regierungssitz, daneben findest sich das House of Parliament und das dritte Gebäude die Library of Parliament. Ein viertes Gebäude wurde hinzugemietet um verschiedene Ministerien aufzunehmen, für die kein Platz mehr war.

Beehive und House of Parliament
Beehive und House of Parliament

Auch über das Wahlsystem und den Weg vom Antrag zum Gesetz wurde auf der Führung Einiges berichtet. Für uns Deutsche mache ich es kurz: Alles wie zuhause. Seit 1996 gibt es das MMP-Wahlrecht, also zwei Stimmen, wie bei uns. Da mir das englische Wort für "Überhangmandat" nicht einfiel konnte ich leider nicht fragen, wie das läuft.

Interessant fand ich, dass jeder Gesetzentwurf direkt nach erster Lesung online gestellt wird. Genau wie bei uns gibt es Ausschüsse, wo die eigentliche Arbeit erledigt wird. Genau wie bei uns muss am Ende jemand unterschreiben, der nichts für das Gesetz kann.

Alles in Allem war es ein ruhiger Tag mit etwas Shopping und Kultur dazwischen. Falls es die Damen interessiert, habe ich hier noch ein Bild der nächsten Sommermode. Also vermutlich. Ohne Gewähr.

Sommermode in Wellington
Sommermode in Wellington


Und noch etwas für die Weihnachtsfreunde unter uns:

Nach einer eher kühlen Nacht am Fuße des Vulkans Ruapehu ging es heut morgen zum Aufwachen gleich auf einen kleinen Walk. Wie immer in Neuseeland: wunderbar hergerichtet mit Hinweisschildern, einem befestigten Weg und kleinen Holzbrücken, wo nötig.
Der Walk regt zwar den Kreislauf kein Bisschen an, aber für die müden, steifen Knochen ist es doch schön noch etwas zu laufen, bevor die Fahrt so richtig beginnt. Und für die Ohren und die Seele sind die absolute Ruhe und das saftige Grün wunderbar geeignet.

Die Fahrt gestaltet sich wieder wunderbar abwechslungsreich - im Tongariro trohnt der Ruapehu vor diversen Landschaften. Dann kommt eine hügelige Gegend voller Schafe, Wälder und sie durchkreuzende, mehr oder weniger reißende Flüsse. Dann wechselt das Bild zu endlosem, flachen Farmland um kurz vor Wellington wieder steil anzusteigen und mich erneut auf die Probe zu stellen. Die schmale Straße bezeichne ich lieber als Streifen. Links des Streifens sind überhängende Felsen, die sich steil in den Himmel bohren. Rechts des Streifens geht die Klippe ab - 200 Meter? 300 Meter? Ich schaue lieber nicht nach - die Weite der Sicht sagt mir schon zu viel.
Der Camper quält sich tapfer mit mir die Straße entlang bis zur Spitze und dann ebenso tapfer wieder nach unten. Je näher das Tal rückt, desto bewohnter wird es, bis schließlich ein Ausläufer von Wellington erreicht ist und es endgültig urban zugeht.

Das Camp für die nächsten beiden Tage wird auf einem Luxus-Platz aufgeschlagen und sofort werden zwei Waschmaschinen besetzt. Die Einkünfte aus der Linken (in pink) gehen der Brustkrebsforschung zu. Da zahle ich auch gern die 4 NZ$ pro Wäsche (Waschmittel inklusive).

Waschmaschinen auf dem Campingplatz in Wellington
Waschmaschinen auf dem Campingplatz in Wellington

Auch die Küche kann sich echt sehen lassen.

Küche auf dem Campingplatz in Wellington
Küche auf dem Campingplatz in Wellington

 

Mal sehen, was morgen in Wellington passiert...

Nachdem es gestern nur halb so schön war, wie es sein könnte, hat der Wecker heute erst gegen 7:30 geklingelt - Luxus. Auch danach ging es eher ruhiger ab mit ein Mal Frischwasser be- und Abwasser entladen. Danach noch Tanken, damit wieder ein oder zwei Tage Ruhe  ist.
Nach diesen Notwendigkeiten führt der Weg zuerst nach Te Puke zur "Kiwi 360 Experience" - ein Kiwi-Hain von knapp 4 Hektar, auf dem durchschnittlich 30 Tonnen Kiwi-Frucht pro Jahr geerntet werden. Die Führung von knapp 40 Minuten ist interessant, aber sicher kein Grund unbedingt nach Te Puke zu fahren. Da es auf dem Weg lag, hab ich es mitgenommen. Der riesige Souvenirshop macht Einiges her.

Kiwi-Frucht
Kiwi-Frucht

Zweiter Stopp des Tages sind die Huka Falls. Diese türkis-blaue Stichflamme aus Wasser quetscht sich mit deutlichh erhöhter Geschwindigkeit durch einen Felsspalt und ergießt sich als weiß-blauer, horizontaler Strahl in das darunter liegende Becken des Flusses.
Bei Sonnernschein ist dieser Anblick absolut atemberaubend. Und heute scheint die Sonne.
Das Parken war etwas schwierig, aber es gibt deutlich mehr Stellplätze als an der Cathedral Cove und somit klappt alles.

Huka Falls (Montage)
Huka Falls (Montage)

Nach dem Blick in den blauen Abgrund geht es zurück auf die Straße. Bevor ich zum Campingplatz fahre ist noch ein Stopp beim Countdown um frische "Brötchen" zu kaufen. Die Dinger haben den Namen sicher nicht verdient, aber was soll man machen?
Gegessen werden die ersten dieser süßlichen, weichen Dinger direkt am Taupo Thermal Spa. Diesen Platz kannte ich von früher als "Two Streams", in der Sache ist es aber gleich geblieben: Heißer Fluss und kalter Fluss treffen sich. Menschen setzen sich in die Mitte und wählen die beste Temperatur per Sitzfleisch. Tolle Sache. Kostenlos. Leider heute etwas voll. Der Park öffnet um 7 Uhr morgens - wer in der Nähe schläft sollte das hier einplanen!

Die Fahrt zum Campingplatz ist wieder ein landschaftliches Highlight. Erst entlang des Lake Taupo, mit idyllischen Buchten, anschließend am Rande des Tongariro Nationalparks entlang. Kiefernwälder mit Unterholz aus Farnen; Steppenebene so weit das Auge reicht, enge Flusstäler mit Regenwald am Fels angeklebt. Und darüber trohnt zu jeder Zeit der Mt. Ruapehu - Vulkan und Ikone aus Herr der Ringe.