Nachdem die Nacht in Fairlie ziemlich gut war, kam die Überraschung schon morgen kurz vor sieben. Scheinbar erledigen die Leute hier ihre Einkäufe eher früh. Ab sieben war echt was los auf unserer Hauptstraße und direkt vor uns lag das semi-berühmte „Bakehouse“ von Fairlie. Da kamen und gingen die Gäste ziemlich fleißig.

Ab zehn ging es dann zur Gem Alpaca Farm für eine kleine Tour. Stiefel an und auf die Farm. An manchen Tagen machen 20 Leute diese Tour auf ein Mal, heute waren wir nur sechs. Die Dame, die uns herum führt erzählt von den Alpaka-Farmern – alles Eigenbrötler – vom Stand der Alpaka-Industrie – dauert noch 20 Jahre – und von ihren Tieren.

20190110 Alpakas 1

Die Farm mit ihren 75 Tieren würde keinen Gewinn abwerfen. Zum Einen ist Alpaka-Wolle nur in den ersten 7 Lebensjahren von hoher Qualität. In anderen Ländern werden die Tiere dann zu Fleisch verarbeitet. In Neuseeland ist man noch nicht so weit und pflegt die Tierchen dann noch 18 Jahre weiter. Zum Anderen lohnt es sich nicht, die Dutzenden Farben und hunderten Schattierung des Fells zu trennen und zu verarbeiten. Wirtschaftlich richtig wären nur weiße Alpakas.

Zum Glück hält die Farm sich dank der Führungen und eines kleinen Ladens seit über 14 Jahren über Wasser und ich durfte dieses süße Baby-Alpaka treffen. Das Kleine ist gerade mal 3 Tage alt gewesen, musste für uns aber mal aufstehen.

20190110 Alpakas 2

Ich hatte jede Menge Spaß in der Herde herum zu laufen, einzelne Tiere aus der Hand fressen zu lassen und sie dann kurz am Hals oder Rücken zu streicheln – nie am Kopf und nie am Hintern.

Anschließend sind wir noch in Geraldine um beim DOC (Department of Conservation) Informationen zu unserer geplanten Wanderung auf den Mt. Somers einzuholen. Die Infos waren dann nicht sooo prickelnd. Ich habe zwar zwei „Eintrittskarten“ für die Hütte in den Bergen und auch eine Info-Broschüre, aber auch den Hinweis, dass heute Orkanböen bis 120 km/h erwartet werden. Gut, dass ich die Info habe, bevor ich oben stehe, aber trotzdem doof. Also wieder mal umplanen und als Erstes: zum Mittag eingekehren. Es gab lecker Indisch für 12 Dollar (Curry, Reis, Naan und ein Getränk!) und ich bin kurz ins Kino gegangen um mehr darüber zu erfahren.

Der überraschend mürrische Betreiber hat dann kurz erklärt, dass das Haus 400 Sitzplätze hat und seit über 90 Jahren besteht. Spannend.

20190110 Kino

Zuletzt ging es nur noch weiter bis Mount Somers um die Nacht abzuwarten und dann am nächsten Morgen den Aufstieg zu wagen

Heute ging es spät los. Je mehr Zeit man Abends nutzt, desto später wird es morgens. Der Camper zwingt uns einen gewissen Rhythmus auf. Der Tag war mit viel Fahren verbunden. Wir sind von den Catlins aus, Nugget Point, zum Lake Ohau gefahren. Aus irgend einem komischen Grund ist das hier einer meiner Lieblingsseen. Leider spielt das Wetter heute nicht so mit und man kann die schöne Farbe des Wasser nur am Kanal erkennen. Dieser ist Teil der Hydro-Energie-Anlage, welche sich hier über vielleicht hundert Kilometer von See zu See erstreckt.

20190109 Lake Ohau

20190109 Lake Ohau Kanal

An dem Kanal gibt es jede Menge Fischer und es werden kommerziell Lachse gezüchtet.

Von dort ging es zum Lake Pukaki – wer in meinem Blog etwas sucht, wird sehen, dass es der verdammt noch mal tollste, türkis-farbene See der Welt ist. Nur heute wieder nicht. :-/

20190109 Lake Pukaki

Als letzte Station kommen wir zum Lake Tekapo. Der Blick von hier auf Aoraki – Mount Cook – ist majestätisch. So sehr, dass man in alter Zeit eine Kirche hier platzierte und den Blick noch heute als Touristenmagnet nutzt.

20190109 Lake Tekapo Bruecke

Neu ist eine Fußgängerbrücke von der kleinen Ortschaft „Lake Tekapo“ zur Kirche. Sie wurde im November 2015 eröffnet und war zumindest mir nicht im Gedächtnis.

Der See ist riesig und seine Lage sorgt für ordentlich Wellengang, wir man auf diesem Bild sehen kann.

20190109 Lake Tekapo Stein

Leider ist die Wettervorhersage für diese Nacht eher schlecht. Geplant war für mich ein Ausflug zum Mt. John Observatorium mit Sternen-Gucken. Ihr wisst, der Südhimmel fasziniert mich. Bei Wolken ist das aber irgendwie nicht so der Brüller. Also wieder: neu planen.

Wir stehen jetzt mitten im Ort Fairlie auf einem Parkplatz – wir sind einfach zur nächsten Station gefahren. Zum Glück gibt es hier immer neue Abenteuer. Eine Tür schließt sich, die andere stößt ein kleiner Kiwi auf :)

Heute ging es noch etwas weiter auf der Straße der Wasserfälle. Technisch gesehen ging es zurück, da wir am letzten einfach vorbei gefahren sind um noch Zeit für die Abendvorbereitungen zu haben.

Wir haben dann die Barrs Falls besucht. Diese sind etwas weniger spektakulär, aber doch sehr schön anzusehen. Und ein großer Pluspunkt: hier ist es menschenleer. Die Anfahrt geht über einige Kilometer Feldweg, aber der ist überraschend gut ausgebaut.

20190108 Barrs Falls

Anschließend sind wir zum Nugget Point Leuchtturm gefahren. Der liegt unheimlich spektakulär und man erlebt wie die Wellen sich links und rechts des Weges, tief unten, brechen. Ein Anblickt, der bei mir Schwindel auslöst. Ich bleibe tapfer und gehe über den schmalen Steg bis ran an den Leuchtturm. Die dortige Aussichtsplattform war dann zu viel des Guten. Ich bin zurück gelaufen.

20190108 Nugget Point

Nach diesem Ausflug kam leider raus, dass ich gestern falsch gerechnet habe und wir nicht zur Ebbe an den Moeraki Boulders sein können. Das ist insofern wichtig, als das dann die meisten Steine aus dem Wasser ragen und man sich viel ansehen kann. Mit ein klein wenig Frust habe ich mich an die Neu-Planung gemacht und, mal wieder, die nächsten Tage komplett verändert.

Der Ergebnis war aber überraschend gut. Wir sind zu einem kleinen Campingplatz gefahren, wo es Alpakas, Schafe, eine Ziege und Angus-Rinder gibt. Von dort sind wir gegen 18:30 zur Pinguinkolonie in der Nähe von Moeraki aufgebrochen und haben allerhand gesehen: riesige Meeresvögel – eventuell Albatrosse – Robben, die sich gegenseitig angeschnauzt haben, ein paar Robben die auf dem Gras am Wegesrand gechillt haben - wie sind die hier bloß hoch gekommen!? - und als besonderes Sahnehäubchen: die seltensten Pinguine der Welt in freier Wildbahn.

20190108 Robbe

Einige davon habe ich nur in der Ferne erahnt. Auf den Fotos habe ich sie mittlerweile bestätigt. Toll war aber, dass immerhin drei Stück so nah dran waren, dass man sie sehr gut sehen konnte. Und ein Geselle hat sich so nah an den Weg getraut, dass man in Ruhe schauen konnte. Ich habe ein paar Videos gemacht und natürlich Fotos. Aber insbesondere in der Erinnerung werde ich diese Bilder festhalten.

20190108 Gelbaugenpinguin

Da das Gelände vom lokalen Maori-Stamm betreut wird, ist auch heute irgendwann Schluss und das Tor wird verschlossen. Wir sind zu dem Zeitpunkt schon draußen und habe eine freiwillige Spende hinterlassen.

Höchste Zeit für den letzten Punkt des Tages: die Moeraki Boulders. Perfekt kugelförmige Felsen an der Küste. Etwa 70 Millionen Jahre alt.

Danach war echt Feierabend.

20190108 Moeraki

20190107 Uhrturm Gore

Unter dieser Uhr haben wir die Nacht verbracht. Unser Glücksgriff war es, in Gore eine Pizza zu kaufen und dann gleich dort zu bleiben. Die Stadt wirbt damit, besonders Camper-freundlich zu sein. Dazu gehört auch, dass mitten in der Stadt ein Streifen für Camper zum Übernachten angeboten wird. Eine öffentliche Toilette ist 100 Meter entfernt und es gibt sogar richtig gutes WLAN. Grandios.

Und: Die Uhr spielt eine freudige Melodie zu jeder halben Stunde. Habe ich letzte Nacht häufiger mal gehört. Und glaubt mir - da war ich weniger fröhlich.

Nach dem Auffüllen der Reserven im Supermarkt Countdown ging es auf eine Meer & Wasserfall-Tour.

Zuerst ein Leuchtturm und anschließend Slope Point. Die Bedeutung von Slope Point erläutert das Bild :)

20190107 Waitapa Point

 

20190107 Slope Point

 

Beide Orte haben eines gemeinsam: viele, hohe Wellen. Da könnte man stundenlang zuschauen. Bei Slope Point ist das allerdings gar nicht so einfach. Der Wind ist so stark, dass man Angst haben kann, weg geweht zu werden. Es ist einfach toll! Auf dem Bild unten sehen wir eine Welle, die gern mal 20 Meter hoch spritzt.

20190107 Slope Point Wellen

Der Weg dort hin hat auch seine besonderen Tücken. Es geht quer durch die Weide einer riesigen Schafherde, die sehr viel, sehr gut fressen. Aber ihr wisst ja: was vorne rein geht, muss hinten wieder raus. Die Tretminen sorgen für vorsichtige Schritte.

Da wir gefragt wurden, wo denn die vielen Schafe versteckt werden, von denen wir von früheren Reisen berichten. Die sind natürlich allgegenwärtig. Darum komme ich nicht auf die Idee, die Linse drauf zu halten. Euch zu Liebe hier doch mal ein Bild davon.

20190107 Schafherde

Ganz allgemein sieht man immer wieder Hügel in der Ferne, die von merkwürdig hellen Büschen bewachsen sind. Tja... das sind Schafe. Hunderte. Tausende. Und fast immer haben die Tiere unheimlich viel Platz sich zu entfalten. Wunderschön anzuschauen... Tolles Land!

Nach dem Meer und den Wellen ging es dann auf eine Strecke in den Catlins, die ich schon beim letzten Mal sehr mochte. Hier reiht sich ein Wasserfall an den Nächsten und jeder hat seinen eigenen Charakter. Ich verliere jetzt nicht viele Worte, sondern lasse einfach die Bilder hier.

20190107 Horseshoe Falls

20190107 Mattai Falls

20190107 McLean Falls

20190107 Purakaunui Falls