Wir sind heute morgen im Regen erwacht. Scheint wohl doch noch nicht fertig zu sein. Der Weg nach Franz Josef war jedenfalls ziemlich wolkenverhangen und die Straße nass. Der Scheibenwischer zeigt mal seine Power. Gutes Ding!

In Franz Josef angekommen ist eigentlich auch schon klar, dass der Plan für heute ausfällt. Ein Helikopterflug auf den Gletscher, aussteigen zum Fotos machen und wieder runter fliegen. Toller Plan, wenn denn Sicht wäre. Die Wolken hängen tiefer als die Rapper-Hosen in den späten Neunzigern.

Da der Regenbericht kaum Besserung für morgen verspricht, halten wir uns an Erichs Motto: Überholen ohne Einzuholen. Wir streichen den Helikopter schweren Herzens und geben Gas Richtung Süden. Wenn wir es über die Alpen schaffen, lassen wir den Regen hinter uns. Das ist eines der ständigen Wetterphänomene der Südinsel. Der Westen kriegt mächtig viel Regen ab, der es einfach nicht über die Alpen schafft. Milford Sound – ebenfalls hier im Westen, gilt als einer der regenreichsten Orte der Erde.

Den langen Weg durch den wilden Süden habe ich dann gleich für ein dienstliches Experiment genutzt. Ich habe ungefähr zwei Stunden Video aus der Frontscheibe heraus gedreht und meine lieben Kollegen werden bald Schafe, Kurven, Roadkill und Fahrradfahrer zählen dürfen.

Ja. Fahrradfahrer bei strömendem Regen. Allein auf weiter Flur und mit Sicherheit immer Bergauf mit Gegenwind. Ich wollte schon anhalten und heißen Tee anbieten, aber leider gab es keine Stellen zum Ausweichen, geschweige denn Tee kochen.

Als es etwas aufklart fahren wir zu einem See – der erste Neuseeländer ist schon dort mit seinem Motorboot auf dem Anhänger. Er dreht zwei Runden und kommt dann direkt wieder raus. Vermutlich wohnt er um die Ecke. Faszinierend.

20190102 Lake View

Auch ein zweiter Stopp ist interessant. Die Fantail Falls am Haast-Pass. Durch den vielen Regen ist bei den Wasserfällen und den Flüssen heute überall viel Bewegung drin. Wirklich schön, auch wenn die Sandflys wieder vor uns da waren.

20190102 Fantail Falls

Nach ein paar Stunden sind wir endlich über den Berg. Also eigentlich zwischen ihnen durch. Uns heißt unser heutiger Campingplatz willkommen. Mit viel Wind und rauer Schönheit. Ohne Mobilfunk, aber den braucht man hier auch nicht.

 

20190102 Lake Wanaka

Heute war Neujahr und ich war als erster dort. Naja, zusammen mit all den anderen Leuten in Neuseeland. Auf jeden Fall mit 12 Stunden Vorsprung auf Deutschland. Der Camper stand an einem einsamen Café irgendwo am Buller River – übrigens ein super langer und super schöner Fluss. In Neuseeland gibt es kein Feuerwerk zu kaufen. Darum trifft man sich einfach bei Freunden auf ein paar Bierchen (eher mehr als weniger) und quatscht bis zum neuen Jahr, oder bis der letzte nicht mehr stehen kann.

20190101 Buller River

In der Nacht passieren auch viele Unfälle und die Polizei kontrolliert auf Alkohol, da jeder weiter Strecken zurücklegen muss und man einfach das Auto nehmen muss. Bei uns war es unspektakulär, aber wir haben uns wach gehalten! Zur Belohnung gab es noch mal einen tollen Blick auf die Sterne. Vermutlich besser als das Feuerwerk in Auckland.

Wir haben dann am Morgen einen langsamen Start hingelegt und das WLAN genutzt um zuhause einen guten Rutsch zu wünschen und allen Lieben noch eine Nachricht zu schicken. (Falls du, lieber Leser/liebe Leserin, nicht dabei warst: Sorry, wir hatten zu wenig Zeit für alle!)

20190101 Cape Foulwind

Danach ging es nach Westport zum Cape Foulwind um die Tasmanische See zu bewundern, dann zur nahegelegenen Robben-Kolonie, die heute aber weitestgehend leer war. Auch der nächste Stopp war für uns eher unspektakulär – die Pancake Rocks. Eine Felsformation an der Küste, welche ausschaut, als ob die Götter eine riesige Portion Pancakes gemacht haben und am Strand lagern.

20190101 Seal Colony

Nach diesem Stopp fing der erste richtige Regen an. Ausgiebig. Kalt. Grau. So ist Neuseeland eigentlich und da wir den Teil jetzt abgehakt haben, kann es ja nur besser werden.

20190101 Pancake Rocks

Die Nacht verbringen wir irgendwo im Nirgendwo. Wir sollen nur kurz duschen, damit jeder etwas heißes Wasser hat. Haben die vor uns wohl nicht gewusst. Dazu steht an der Türe, dass das Wasser komplett aus Regen gewonnen wird – wenn es nicht regnet, gibts kein Wasser. Auch nicht schlecht – da sind die Sorgen eines deutschen Bauern bei Regenlosigkeit ja fast beschaulich.

Überhaupt scheint es fast überall Strom zu geben, aber Müllabfuhr, Wasser und Abwasser sind etwas schwieriger. Deutlich positiv entwickelt hat sich die Netzabdeckung im Hinterland. Es gibt viel häufiger Mobilfunk als früher.

Radio scheint inzwischen auch weiter verbreitet zu sein. Es gibt weiterhin große Abschnitte der Südinsel ohne Radiosender, aber viele Ecken haben immerhin einen Sender!

Silvester begann einigermaßen früh. Es ging ins beschauliche Murchison um ein kleines Naturspektakel zu bewundern.

Die Tickets haben wir im kleinen Laden von Shelly gekauft und dann ging es per VW-Bus 40 Minuten durch die Gegend. Unser Fahrer und Guide hat uns in der Zeit viel zu berichten gehabt und ich habe die Gelegenheit genutzt Fragen zu stellen.

Wie lange er das schon macht, was man hier so im Winter macht und so weiter.

Wir sind über eine Hirschfarm zu unserem Startpunkt gefahren. Farm kann hier auch schon mal etwas größer sein. 1.300 Hektar Hügel für 400 Stück Rotwild plus ein paar Schafe und Kühe. Kein Feldbau. Vielleicht etwas Heu für den Winter. Strom gibt es hier in den Bergen nicht – da die Farm allerdings am Blackwater River liegt, hat man einfach eine Mini-Turbine mit Häuschen gebaut und kriegt so seinen Strom.

Die Wanderung durch den Wald und die Wiesen, über zwei, drei Bäche und über Stock und Stein braucht ungefähr eine Stunde und ist gefüllt mit interessanten Hinweisen zu Flora und Fauna. Da außer uns noch zwei Familien mit je zwei Mädchen zwischen 8 und 11 dabei sind, wird alles anschaulich erklärt. Tolle Sache!

20181231 Beech Forest

Besondere Highlights: ein neugieriger Weka kam aus dem Busch und wollte gar nicht mehr gehen. Diese Vögel gehören in dieser Gegend noch nicht zum allgemeinen Bild. Es war für unsere Guides und auch die Aucklander Familie eine ebenso positive Überraschung wie für mich.

Auch eine Waldstelle voller Moosen war faszinierend. Die sind wie große Pilze gewachsen und geben unter leichtem Druck etwas nach. Irgendwie hat es mich an Hocker erinnert.

Am Ziel angekommen bot sich ein surreales Spektakel. Direkt aus dem Waldboden schlagen Flammen. Und die brennen seit ungefähr einhundert Jahren, gespeist von Erdgas tief im Boden.

20181231 Natural Flames

Shelly und Paul – ich glaube er hieß Paul – haben sich gleich daran gemacht ihr im Wald verstecktes Equipment aufzubauen und uns Tee, Pancakes und Mashmellows auf den Flammen zu kredenzen. Faszinierend und lecker. Und das direkt an den Flammen aus dem Boden.

Insgesamt war der Trip vier Stunden lang und hat sich aus meiner Sicht total gelohnt. Wie alles in Neuseeland war es ein teurer Spaß – über hundert Euro für zwei Leute.

 

Nach so viel Wandern war klar: mehr wandern. Also ab zu den Maruia Falls! Der Weg führt wieder durch „Beech Forest“ (sic) – eine hier weit verbreitete Eiben-Sorte. Der Weg ist kurz, an seinem Ende warten nicht nur die tollen Wasserfälle, sondern auch jede Menge Sandflys. Wunderbar. Schnell wieder weg!

20183131 Mariua Falls

 

Die letzte Nacht war für mich sowohl magisch als auch schlecht. Magisch, weil ich endlich mal wieder die Milchstraße in voller Pracht am Himmel sehen durfte. Eine der Sachen aus meiner Kindheit, die ich wirklich vermisse! Dumm nur, dass ich dafür schlecht geschlafen habe und heute etwas fertig bin. Schlechte Laune vorprogrammiert.

Dagegen hilft nur: mehr Neuseeland!

Zum Start ging es per Pedes zur heiligen Quelle des kleinen Bachs von gestern. Der Weg ist wundervoll und einfach. Ein Blick gefällig?

20181230 Quelle

Danach ging etwas weiter durchs Land bis St. Arnaud. Leider war unser geplanter Campingplatz schon voll und wir mussten Ausweichen. Und der Walk, den wir machen wollten hat ein Schild um schlappe 8 Kilometer verlängert: „ab hier keine Campervans mehr“.

Also spontan zu einem anderen Walk. Hin zu den Whiskey Falls. Der Walk ist kurz und wunderschön. Den Blick auf die Falls kann man leider mit der Kamera schlecht einfangen, aber zumindest kann ich euch zeigen, wie Neuseeland vor der menschlichen Besiedelung aussah.

Wer es nicht wusste: es gab früher kein GRAS in Neuseeland. Hobbiton ohne Gras, Leute! Was war stattdessen en vogue? Farne. Und das konnte man auf dem Walk bewundern.

20181230 Farne

 

Übrigens gibt es in NZ ungefähr zweihundert Arten von Farnen. Also hab ich heute auf einem Walk gehört. Da ich selten Internet habe, konnte ich nicht recherchieren.