Heut morgen ging es etwas früher aus dem Bett - 6:30 klingelte der Wecker. Selbst für mich nicht zwangsläufig Wohlfühlzeit im Urlaub. Aber nach dem Frühstück musste der Campervan noch versorgt werden und dann ging es auch schon ab zu den Kayaks.
Wie immer unterschreibt man, dass der eigene Tod einkalkuliert ist und niemand irgendwen verklagen wird, weil er/sie sowieso keine Chance hat.
Dann folgt die Einweisung ins Kayak und die Sicherheitseinweisung. Alles in gutem Kiwi-Englisch, also für Manche schwer zu verstehen.

Als das Kayak im Wasser ist, fühlt es sich an wie letztes Mal im Abel Tasman. Das Boot liegt ruhig im leichten Wellengang, das Paddeln geht gut von der Hand, nur der Rhythmus ist schwer zu halten. Schon wenige Meter aus der kleinen Bucht heraus sehen wir einen der kleinen blauen Pinguine, die hier die Küsten bevölkern. Das Kerlchen streckt nur kurz seinen Kopf aus dem Wasser, schaut sich um und schwimmt dann dem Publikum davon. Das war auch das letzte Bisschen Pinguin für heute.
Spaßiger sind die Robben, die hier um Kaikoura zu jeder Jahreszeit abhängen. Robben sind nachtaktiv und jagen in den reichhaltigen Gewässern um die Halbinsel herum jede Nacht um die 10 Kilo Fisch pro Nase. Tagsüber legen sich die pfeilschnellen Säuger dann auf die Felsen und sonnen sich. Würden wir auch so machen - nach der Nachtschicht legt man sich irgendwo ins Warme und genießt die Ruhe.
An der South Bay finden sich in Kaikoura nur männliche Exemplare und allesamt Junggesellen - die Weibchen sind mit der Jungen etwas nördlich am Ohai Stream (wie gestern erwähnt).
Eine der Robben zeigt sich dann auch verspielt an unserer Gruppe von 10 Kayaks.Der Bursche dreht Rollen und Piruetten im Wasser, taucht unter unseren Kayaks hindurch, springt drei Mal hintereinander aus dem Wasser als wäre er ein Delfin und winkt mit seiner Flosse. Wir scherzen schon, ob er trainiert wurde, als er keine Lust mehr hat und sich davon macht.
Wir haben bis zu dieser Begegnung genug Robben auf den Felsen gesehen und Paddeln zufrieden durch den zunehmenden Wellengang zur Bucht zurück.
Nach knapp zwei Stunden auf dem Wasser ist der Spaß vorbei und 60 Euro "verbraucht". Bilder gibt es davon nicht. Salzwasser fand ich für die neue Kamera zu gefährlich und manchmal muss man einfach mit den Augen genießen statt mit der Linse...

Robbe am Aussichtpunkt bei Kaikoura (wer sie findet darf ssich freuen)
Robbe am Aussichtpunkt bei Kaikoura (wer sie findet darf ssich freuen)

Zum ersten Mal überhaupt stehe ich vor der Frage: was mache ich nun? Der ursprüngliche Plan hat den heutigen Tag als Puffer für Abweichungen vorgesehen, den es jetzt nicht braucht. Gleich nach Christchurch und zwei Tage dort verbringen? Hoch nach Hanmer Springs und in heißen Thermen baden?

Die Entscheidung fällt schließlich auf Akaroa. Eine Halbinsel etwa 70 Kilometer hinter Christchurch, die ich noch nicht gesehen habe. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll und die letzten 18 Kilometer gehen im Schneckentempo einen Berg hoch und wieder runter. Schneckentempo meint hier: enge Kurven mit maximal 35 km/h bei vollem Gegenverkehr (besonders Busse!).
Doch das Ziel entschädigt: wieder ist Freedom Camping angesagt. Direkt am Wasser, mit öffentlicher Toilette, ohne Bezahlen. (French Farm Bay für die Nachmacher)

Akaroa Halbinsel von French Farm Bay
Akaroa Halbinsel von French Farm Bay

Heute morgen bin ich schon sehr früh aufgewacht und habe den Vögeln beim Singen zugehört. Es ist mittlerweile morgens etwas frisch, daher habe ich noch schnell die Heizung des Campervans angeworfen - die verbrennt  Diesel und zieht von der Batterie um den Lüfter zu drehen, der die heiße Luft ins Innere bläst.

Freedom Camping am Lake Ellesmere
Freedom Camping am Lake Ellesmere

Nach dem kleinen Frühstück geht es wieder auf die Straße. Da es regnet (nicht arg, aber doch merklich) ist die Stimmung leicht gedrückt. Es geht vorbei an Christchurch nach Norden. Die Landschaft wandelt sich wieder deutlich und schnell geht es über enge, kurvige Gebirgsstraßen in ein küstenahes Gebirge und anschließend wieder runter bis ganz ans Wasser.
Nach drei Stunden ist Kaikoura in Sicht und der Plan ins Kajak zu steigen fällt buchstäblich ins Wasser. Gut nur, dass der Wetterbericht für morgen Sonnenschein und 22 Grad ansagt. (Bei Neuseeländischer Sonnenstrahlung entspricht das in etwa 30 Grad in Deutschland.)
Also wird die Kajak-Tour gleich für morgen früh gebucht. 8:30 Start am Steg.

Da der Tag noch jung ist, geht es als nächstes zu einer Schaffarm. Nach einer ausgiebigen Mittagspause wird zuerst Mal ein Lamm mit der Flasche gefüttert. Das Tier ist unglaublich dick eingepackt und super-hungrig. Danach zeigte der Hirte, wie man ein Schaf schert. Dabei hat er Slow-Motion gemacht, da der aktuelle neuseeländische Rekordhalter durchschnittlich 37,2 Sekunden für ein ganzes Schaf braucht. Beeindruckend!
Eine kleine Erklärung zur Wolle später weiß ich, warum die Anzahl Schaffarmer stark rückläufig ist - pro Schaf macht man 12 NZ$ Umsatz pro Jahr. Das sind acht Euro.

Ein Schaf wird geschoren
Ein Schaf wird geschoren

Daher hat Allen auch nur noch 300 Schafe, von denen je zwei pro Tag zum Friseur müssen um den Touristen zu zeigen, wie das geht. Dafür verlangt er 12 NZ$ pro Nase und kann, je nach Gruppengröße also zwischen 12 und 96 Dollar pro Tag verdienen. Klingt nach einem besseren Geschäft.
Ob das wiederum reicht um die Famile durchs ganze Jahr zu bringen wage ich zu bezweifeln. Aber vermutlich kann er zwischendurch auch andere Sachen erledigen.

Die letzte Station ist mal wieder - ein Wasserfall.
Im Winter (April) baden hier kleine Robben, was sicherlich toll anzusehen ist. Für Winterurlauber: Ohau Stream ist das Stichwort.

Ohau Falls
Ohau Falls

Guten Morgen lieber Mittwoch hieß es heute und damit auch: Ab auf die Straße!
Geplant war heute im Wesentlichen eine kurze Fahrt nach Dunedin mit anschließender Schaffarm-Besichtigung und dann eine zweite, lange Fahrt bis hoch nach Ashburton. Aufgegangen ist der Plan zwar nicht, aber das ärgert heut niemanden.

Die Stadt Dunedin (gesprochen Duh-Nie-Dinn) ist schottischen Ursprungs und das merkt man ihr auch an (Straßennamen und Vororte). Und wenn man hier eine halbe Stunde rumläuft weiß man auch, warum sich hier nur die Schotten halten konnten. Es ist kalt. Es ist windig. Und das bei Sonnenschein. Ich möchte Dunedin nicht bei Regen und Sturm erleben habe ich beschlossen.
Bemerkenswert ist, dass die Bewohner das irgendwie anders sehen: eine ganze Reihe von Frauen läuft in Shorts oder Minirock herum. Ich friere schon an den Ohren :-/

Dunedin Bahnhof
Dunedin Bahnhof

Leider klappt das mit der Schaffarm heute nicht - die Tour ist zu spät und auch nur in Kombination mit einer zweiten Tour zu haben. Das ist mir zu doof. Also geht es nur eine Runde zu Fuß durch die Innenstadt. Außerdem wird beim Countdown-Supermarkt noch ein letztes Mal das Lager aufgefüllt: Brötchen, Wein und Gummibärchen. Was der Verkäufer denkt ist mir mal egal.
Ein lustiges Detail ist mir auf dem Platz vorm Bahnhof aufgefallen. Dort sind verschiedene Flaggen und Symbole als Blumenbeete angelegt. Und für den grünen Hintergrund verwendet man in Dunedin sowohl Gras, Salat als auch Petersilie. Der Rest sind Blumen.

Dunedin - Petersilie im Blumenbeet
Dunedin - Petersilie im Blumenbeet

Die Straßen sind hier wieder besser: schnurgerade, viele Passing Lanes (Überholspuren auf der Landstraße) und kaum Ortschaften um den Fluss zu bremsen. Dadurch erreiche ich nach nur einer Stunde Moeraki.
Hier haben sich irgendwie Steine gebildet, die richtig schön rund sind. Leider ist diese Ecke kein Geheimtipp und der Platz ist recht überlaufen. Trotzdem ist es hier und am nahe gelegenen Kaka Point (heißt echt so, bedeutet im Englischen aber nichts) wunderschön!

Moeraki Boulders - bis zu einem Meter Durchmesser
Moeraki Boulders - bis zu einem Meter Durchmesser

Der letzte offizielle Halt für heute heißt Oamaru. In der Nähe dieser Stadt befindet sich ein bekannter Steinbruch aus dem die Steine für viele repräsentative Gebäude Neuseelands und Australiens stammen. Mit den gleichen Steinen haben die Bewohner dann auch ihre Kirche gebaut, ihr Rathaus, ihre Bank und vermutlich auch ein paar Strandhäuser.
Hier fallen mir zum ersten Mal Straßenschilder mit einer besonderen Eigenschaft auf: die stehen auf beweglichen Gelenken. Der Wind bläst hier so stark, dass man es sogar für nötig erachtet, den Straßenschildern zu erlauben, sich in den Wind zu legen. Verrücktes Land!

Oamaru
Oamaru
Kirche von Oamaru
Kirche von Oamaru

Heute geht es auf den billigsten Campingplatz, den es auf dieser Reise geben wird. Er kostet NICHTS.
In Neuseeland ist das so genannte "Freedom Camping" bekannt und wird auch von vielen Gemeinden erlaubt. So lange man seinen Müll wieder mit nimmt und einen geeigneten Camper hat (mit Toilette), darf man auf entsprechend ausgewiesenen Flächen seinen Urlaub verbringen. Ich stehe gerade am Ellesmere Lake - einer Lagune südlich von Christchurch.
Hier gibt es sogar öffentliche Toiletten und fließend Wasser in Trinkwasser-Qualität. Entsprechend steht hier auch ein Bus (also ein richtiger Bus, umgebaut zum Camper) und scheint sich auch nicht so bald weg zu bewegen.

Morgen soll es bis nach Kaikoura hoch gehen. Vielleicht sehe ich dieses Mal Wale. Bitte Daumen drücken.

Der Morgen in Invercargill beginnt mal wieder mit einem persönlichen Highlight: Alpacas!
Ich liebe diese Viecher ja und hier auf dem Kiwi Holiday Park in Invercargill gibt es zwei davon. Ich stehe also in kurzer Hose und T-Shirt bei viel zu kleinen Temperaturen im morgendlichen Sonnenlicht und versuche das braune und weiße Tier davon zu ǘberzeugen, dass ich Streicheln darf. Geht leider nicht. Aber sie kommen nah ran und ich knipse ein paar Bilder.

Heute steht eine  Ecke Neuseelands auf dem Plan, die bei fast allen Touren fehlt und die auch ich noch nicht gesehen habe: die Catlins.
Diese Region im Südosten ist touristisch noch nicht sonderlich erschlossen, hat viele, sehr kurvige Straßen und verzichtet auch weitestgehend auf Asphalt. Es ging heute zwar nur etwa 240 Kilometer durchs Land, aber die hatten es in sich.

Die erste Station heißt "Curio Bay". Hier findet sich ein versteinerter Wald aus dem Jura. Das heißt die Baumstämme, die man hier anfassen kann sind schon seit 180 Millionen Jahren unter der Erde. Leider respektieren nicht Alle diese besondere Hinterlassenschaft der Natur und bedienen sich an den Fossilien um Souvenirs zu sammeln und laufen auf Teilen des Waldes herum, die für die Öffentlichkeit nicht freigegeben sind. Das einzig Beruhigende ist, dass der Wald nur ein paar Stunden rund um die Ebbe sichtbar ist und viele Besucher diese Schönheit nicht kaputt machen können, weil sie nicht erreichbar ist.

Versteinerter  Wald bei Curio Bay
Versteinerter Wald bei Curio Bay

Drei Mal stand heute das Gleiche auf dem Programm: Wasserfall. Jeweils zwischen 20 und 40 Minuten Rundweg führten uns zu schönen, kleinen Kaskaden, die sich in mehr oder weniger große Tiefen stürzten und deren Schönheit ich auf Speicherkarte bannen wollte. Ob es geklappt hat könnt ihr selbst bewerten...

McLeans Falls
McLeans Falls

Matai Falls
Matai Falls

Purakanui Falls
Purakanui Falls

Ein ungeplanten Abstecher an einem der Hinweisschilder bringt uns zu "Jack's Blowhole" - einem mächtigen Krater etwa 200 Meter von der Küste entfernt, in den das Wasser des Ozeans irgendwie hineinspült und spektakuläre Wellen schlägt. Fotos sind hier nicht so richtig einfach, da es Kopfüber 50 Meter in die Tiefe geht und ich da nicht wirklich nah ran kann, aber vielleicht erkennt man doch etwas. Am Ende muss man sich sowas natürlich selbst anschauen...

Blick in Jack's Blowhole
Blick in Jack's Blowhole

Letzte Station heute war "Nugget Point" - die letzte Geröllstraße für heute führt neun Kilometer in Richtung Küste, vorbei an wunderschönen Sandstränden und immer hinauf auf die Felsen. Dort angekommen windet sich ein 900 Meter langer Weg an den Klippen entlang - ohne Abgrenzung. Wer mich kennt weiß, dass ich Leitern schon nicht so toll finde. Ich durfte heute an einer steilen Felswand mit 76 Meter Luft unter mir entlang gehen. Der Weg ist eigentlich ganz gut für zwei Personen geeignet, aber irgendwie traue ich solchen Sachen dann doch nicht.
Am Ende des Weges steht ein Leuchtturm und ich möchte mir nicht vorstellen, wie der gebaut wurde und wer das Material transportiert hat..

Weg zum Leuchtturm von Nugget Point
Weg zum Leuchtturm von Nugget Point

Die Aussicht belohnt jedoch ungemein. Das Meer ist extrem weit sichtbar und völlig klar. Wir sehen eine Robbe, die im Wasser ihre Bahnen schwimmt - aus vielen hundert Metern Entfernung kann man sehen, dass sie zwischendurch Luft holt und dann wieder taucht.
Auch das Spiel der Wellen an den steilen Felsen ist beeindruckend. Nur kann ich nicht sonderlich nah ran um Bilder zu machen - der Abgrund ist mir zu fies.
Als der Camper mich wieder hat bin ich gut verschwitzt und habe mir mindestens zwei Schnitzel verdient. Leider gibt es die hier nicht.

Die Klippen bei Nugget Point
Die Klippen bei Nugget Point

 
Das Schöne am heutigen Tag war nicht nur, dass ich viel Zeit zwischen den Stationen hatte und dass die Landschaft schön war, sondern dass es sehr wenige andere Touristen gab. Nur an den einzelnen Stationen hat man die Touris getroffen, aber den Straßen war man praktisch allein. Kein Radio, kein Handy und endlich keine anderen Menschen. Fein!