Am heutigen Morgen hieß es Abschied nehmen von Moke Lake und der Adrenalinhauptstadt der Welt. Der Weg führt entlang des Lake Wakatipu immer auf dem State Highway 6 entlang nach Süden. Der Weg durch Southland macht klar, wo Neuseeland seine Landwirtschaft konzentriert hat. Hier ist alles von der Schaf- zur Rind- zur Hirschfarm. Sogar eine Elchfarm habe ich gesehen. Drum herum sind große Flächen mit Getreiden.

Blick aus dem Fenster in Southland
Blick aus dem Fenster in Southland

Da die Straße schnurgerade ist und es hier kaum nennenswerte Erhebungen gibt fliegen die Kilometer nur so dahin und schon nach knapp zwei Stunden finde ich mich in Invercargill wieder. Weit vor Plan.
Selbst das Einchecken am Campingplatz ist noch nicht möglich, Ich darf mir aber trotzdem schon einen Platz aussuchen und entscheide mich für eine Ecke mit Hecke auf zwei Seiten. Grund dafür ist eine wirklich steife Brise, die schon den ganzen Tag weht und von der mein Bauch sagt, dass die auch weiter wehen wird.
In Invercargill selbst gibt es ein kostenloses Museum, dess Hauptattraktion für mich das Terrarium der Tuataras ist. Hier lebt auch der älteste bekannte Vertreter dieser Dinausauriergattung - Henry. Henry ist ungefähr 111 Jahre alt und wurde im 19. Jahrhundert "domestiziert". Leider war das Kerlchen ziemlich aggresiv, als er im Museum ankam und um 2002 hat man ihm einen Tumor entfernt. Seit dem ist er nicht nur umgänglicher geworden, sondern hat sich auch wieder gepaart. Derzeit schätzt man, dass diese erstaunlichen Tiere etwa 200 Jahre alt werden.
Ansonsten hat Invercargill nicht viel zu bieten. Die Deko der Geschäfte und viele der Fassaden sind in den 70er Jahren stehen geblieben und nicht alle wurden seit dem liebevoll gepflegt. Ich sehe auch einen enormen Leerstand bei den Ladengeschäften und das in viel größerem Maße als im Rest Neuseelands. Überhaupt wirkt Invercargill nicht wie der Rest des Landes und ich weiß nicht so recht, woran das liegt. Vielleicht fehlt es einfach an Touristen und ihrem Geld um der heimischen Wirtschaft einen Impuls zu geben.

Basilika von Invercargill
Basilika von Invercargill

Was auf jeden Fall floriert sind Landmaschinen (ich habe Class, John Deer und noch zwei weitere gesehen) sowie Religion. Das Navi hat etwa 20 verschiedene Kirchen angeboten und die waren alle von verschiedenen Ausprägungen des christlichen Glaubes.
Da das Städtchen einen deprimieren kann geht es gleich weiter nach Bluff.

Blick über Bluff
Blick über Bluff

Dieses kleine Städtchen ist größer als ich dachte, aber das heißt nicht viel. Bei Bluff handelt es sich um die südlichste Siedlung Neuseelands und man kann von hier die südlichste Insel "Steward Island" sehen. Außerdem gibt es einen Pub namens "Lands End" - Ende des Landes.
Bluff hat noch weniger zu bieten als Invercargill, macht sich jedoch einen Namen mit der einzigen Aluminiumhütte Neuseelands und dem südlichsten Hafen.

Das Ende von Neuseeland
Das Ende von Neuseeland

Am Abend geht es wieder ruhig zu und ich hoffe ein Mal mehr auf einen klaren Himmel zum Sterne-Schauen, der sich aber einfach nicht einstellen will.

Gestern Abend gab es noch einen wirchtigen Eventpunkt: FERGBurger!
Nach dem Anstehen von etwa 20 Minuten kommt noch Mal 20 Minuten Wartezeit hinzu, bis man bedient wird. Damit sind wir eigentlich ganz gut dran gewesen. Mittags wartet man gern mehr als eine Stunde auf sein Essen. Ja... so überlaufen ist das. Die Küche ist klein, aber voller Leute, die echt schuften. Da kann man zuschauen und weiß einfach, dass es an den Bestellungen liegt, nicht am Personal.
Das Ergebnis der Warterei war aber grandios. Bombastisch. Phänomenal. Aber ich möchte es nicht zu sehr loben. ;-)
Also ganz klares Votum: Wer in Neuseeland ist, MUSS zum Ferg. Es gibt auch vegetarische Burger. Keiner Ahnung, ob die jemand mag, aber die sind vom Ferg.

Heute stand einer der wichtigsten Punkte auf der ToDo-Liste: Kiwi-Vögel anschauen. In Queenstown gibt es das s.g. "Kiwi & Birdlife Sanctuary" wo man nicht nur lebende Kiwis beobachten kann, sondern auch ganz viele andere Vögel, die es in NZ früher in Massen gab und heute leider fast nur noch in kleinen Abschnitten gibt.
Es gab mal Millionen von Kiwis, heute gibt es noch 75.000 und das nur, weil man massive Programme gestartet hat um die Population zu retten. Die wichtigsten Gegner der Kiwis sind Opossums und Stouts (kleine Nager, ähnlich der Wiesel), die von den Siedlern eingeschleppt wurde und dank fehlender natürlicher Feinde eine explosionsartige Verbreitung gefunden haben. Diese Feinde werden nun seit einigen Jahren massiv bekämpft um den Kiwis eine kleine Chance zu geben. Dies reicht aktuell dazu, einem Küken in freier Wildbahn eine Überlebenschance von FÜNF Prozent zu geben. Da ein Kiwi-Weibchen pro Jahr ein oder maximal zwei Eier legt, ist klar wie gering diese Chance ist.
Um das Ganze zu verbessern gibt es ein staatlich organisiertes Zuchtprogramm. Dabei werden genetische Fingerabdrücke aller 100 in Gefangenschaft lebender Kiwis verglichen und passende Pärchen gebildet. Da Kiwis lebenslang treu sind bleibt es bei diesen Verbindungen.

Das Zentrum in Queenstown beteiligt sich an diesem Programm, ist aber vollständig von den erzielten Einnahmen abhängig. Im Gegensatz zu Deutschland wird dieser Zoo also nicht bezuschusst. Dementsprechend fallen auch die Preise aus: 43 NZ$ pro Person Eintritt.

Dafür bekommt man aber vier Mal am Tag die Chance Kiwis beim Fressen zu beobachten. Da die Tiere nachtaktiv sind laufen die Uhren im Kiwi-Haus anders. Europäisch.
Dadurch kann man am neuseeländischen Tage zuschauen, wie die Kiwis im Schein einer roten Lampe (rot sehen Kiwis nicht) im Boden picken und graben. Fotos und Videos darf man hier leider nicht machen. Ich kann aber sagen, dass die Tiere unglaublich putzig ausschauen, auch wenn sie wesentlich größer sind, als ich früher dachte.

Ein erwachsener North Island Brown Kiwi hat etwa die Körpermasse eines deutschen Haushuhns. Nur, dass die Beine länger sind und ein ewig langer, spitzer gelber Schnabel am vorderen Ende ist.

Ich LIEBE Kiwis. Ganz, ganz tolle Tierchen und ich freue mich den Park zu unterstützen. Auch die s.g. Conservation Show sollte man sich anschauenk, z.B. 11 Uhr Vormittags.

Nach dem Besuch im Zoo gibt es heute noch eine Station in Queenstown und es dreht sich schon wieder um Essen: Bombai Palace stand im Internet mit guten Kritiken und ich bestelle Dinge, die es laut Karte nicht gibt: Aloo Matter und Paneer Jalfrezie. Dazu ein Plain Naan und ein Garlic Naan.
Sehr lecker, sehr zu empfehlen!

Nun liegt das hektische Queenstown hinter mir und es geht hinauf in die Berge an den Moke Lake. Seit letztem Mal hat sich hier Einiges verändert, aber das Panorama bleibt ergreifend schön und ich parke den Camper in einer kleinen Bucht zwischen den Dornenbüschen und genieße hier etwas Ruhe. Wunderbar.

Blick über den Moke Lake
Blick über den Moke Lake

Nachdem in der ganzen Nacht kein kleines Fenster und keine Türritze offen war blieb ich während des Schlafes weitestgehend von Sandflies verschont. Gute Sache!

Kurz nach 8 ging es dann auf die Straße und schon nach etwa 5 Minuten zum ersten Wasserfall. Den Namen habe ich mir nicht gemerkt, wohl aber, dass es direkt am Wasser UNMENGEN an Sandflies gab.
Eine Maori-Saga besagt, dass die Götter diese Blutsauger geschickt haben um uns daran zu erinnern, dass wir hier in Neuseeland NOCH nicht im Paradies angekommen sind.

Der zweite Stopp folgt nur 20 Minuten später - die Blue Pools locken.
Der kurze Walk durch den Wald ist leicht bezwungen und mündet in einer Hängebrücke. Nicht 110m wie die Letzte, aber leider auch nicht zu vermeiden. Ich konzentriere mich ganz auf die Holzbalken und blende die Tiefe daneben aus. Leider hat eine der Planken ein Astloch und zeigt mir ganz deutlich, dass es ordentlich nach unten geht. Prima.
Hilfreich ist nur, dass es um die Hängebrücke herum richtig schön ist!

Hängebrücke an den Blue Pools
Hängebrücke an den Blue Pools

Direkt danach landet man an der zweiten Brücke - dieses Mal ein festes Exemplar und man sieht das türkis-blau der Blue Pools. Hier treffen zwei Flüsse aufeinander und das eisige Gletscherwasser bricht in besonderem Maße das Licht - es entsteht ein herrliches Blau.
Leider auch hier: Sandflies.

Weiter geht es entlang am Lake Wanaka und dem Lake Hawea nach Cromwell.

Lake Hawea
Lake Hawea

Eigentlich ist Cromwell nur eine kleine Siedlung in Mitten von Obsthainen, doch mindestens drei der Obstfarmen haben sich zu Publikumsmagneten entwickelt. Schon seit 2008 gibt es davon für mich nur einen: Mrs. Jones.

Hier gibt es frische Früchte, Obst, Honig und allerlei Trockenfrüchte und Nougatkreationen. Und das beste Eis Neuseelands (meiner Meinung nach). Die Portionen sind riesig, man kann eine Eissorte als Basis wählen (z.B. Vanille oder Hokey Pokey) und dann frische Früchte (z.B. Banane, Kiwi oder Waldfrucht) hinzufügen. Kostet dann 5 NZ$ aber ist richtig, richtig lecker!
Insgesamt habe ich über 60 Euro bei der guten Damen gelassen. und die vielen chinesischen Touristen drum herum haben auch gut zugeschlagen. Ich denke den Laden wird es noch eine Weile geben.

Auswahl der Früchte bei Mrs. Jones
Auswahl der Früchte bei Mrs. Jones

Weiter Richtung Queenstown kommt auf der linken Seite "Roaring Meg" ins Hörweite. An dieser Stelle rauscht der Kawarau River sehr laut um eine Kurve und ein Wasserkraftwerk lässt zusätzliche Kubikmeter Wasser hinein schießen. Das Ergebnis ist schön und gefährlich zugleich, Außerdem erinnert den Blick entlang des Flusses, wie es nur Zentimeter neben der Fahrbahn nach unten geht und da wird mir als Höhen-Beeinträchtigten doch etwas schlecht. Aber einen anderen Weg nach Queenstown gibt es nicht wirklich.

Die Sonne sticht mittlerweile ziemlich heftig, obwohl nur 19 Grad auf dem Thermometer stehen. Es fühlt sich nach 30 an und meine Haut meldet auch mal langsam Krebsalarm. Vorletzter Stopp für heute ist der Flughafen von Queenstown. Hier ist eine Mietstation und ich lasse ein mal alles wechseln: Bettlaken, Kissenbezüge, Geschirrtuch und Handtücher. Alles wieder frisch und sauber. Kostenloser guter Service ist noch besser als guter Service.

Last stop of the day: Queenstown, NZ - adrenalin capital of the world.

Die Stadt heißt mich willkommen, wie ich sie schon kenne: voller Menschen und Autos. Mehr junge Backpacker als andere Besucher und an jeder Ecke schreit mich ein Schild an, dass ich mich hier für nur 150$ von einer Brücke oder Klippe stürzen kann, Oder ob ich nicht für 130$ in ein Jetboot steigen möchte? Oder vielleicht doch die 300$ Herr der Ringe Reit-Tour? Oder vielleicht noch schnell ein Tattoo mit für den Weg? "Sweet As" vielleicht?
Dieses Mal habe ich keine halsbrecherischen Aktionen geplant und selbst ein gepflegter Sprung auch 18.000 Fuß ist nicht drin.

Ich bugsiere den Camper in den eher engen Top 10 Holiday Park und berappe die teuerste Liegegebühr bisher (und wohl auch für den Rest der Reise): 59$. Anschließend plündere ich in der Innen"stadt" noch Souvenirläden und den "Cookie Time!"-Laden. Für morgen wird noch geschaut, wann das Kiwi-Zentrum öffnet. Ich will zuschauen, wie die süßen Viecher gefüttert werden.

Cookie Time Laden in Queenstown
Cookie Time Laden in Queenstown

Außerdem check ich die Lage beim Ferg: etwa 15 Meter anstehen. Geht eigentlich aber ich habe noch Zeit bist zum Abendessen. Später...

Schlange beim Fergburger
Schlange beim Fergburger

Fahrtag! Was eine Freude meine lieben Freunde...
Und da sich hier in Rapahoe die Wellen zum Frühstück am Strand brechen und das Rauschen wirklich schön ist komme ich nicht besonders flott hier weg.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass die Duschen (2 Stück) mitten im Speiseraum/Lounge stehen. Ich grüße die Frühstückenden und stelle mich unters Wasser. Irgendwie merkwürdig.

Der Plan ist von Greymouth bis nach Wanaka zu fahren. Völlig übertrieben, weil das viel zu weit ist und an wirklich unschönen Pässen entlang führt. Leider ist auf der Strecke für mich nicht mehr viel zu holen. Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten (Hokitika - Jadearbeiten und Fox/Franz Josef - Spaziergang auf einem Gletscher) habe ich schon genossen und einen anderen Weg nach Wanaka gibt es eigentlich nicht.
Trotzdem verspricht der Tag schön zu werden - die Landschaft ist wieder großartig und hier auf der Südinsel ist es schön leer.

Diese Brücke gehört zu den langsamen...
Diese Kurve gehört zu den langsamen...

In Greymouth wird noch getankt - als heißen Tipp für alle Reisenden: auf der Südinsel lieber zu früh tanken und immer etwas mehr Wasser mitschleppen. Hier gibt es Abschnitte (so wie heute auf meiner Strecke) auf denen 120km KEINE Tankstelle zu finden ist.
Die Straße zieht sich, aber ich mache über Mittag noch gut Strecke und bin gegen zwei beim ersten und einzigen Stopp für heute: Lake Matheson.
Dieser See ist wunderschön mitten in einem Regenwald gelegen durch den man genau einen Weg geschlagen hat: für uns Touristen.
Das besondere ist, dass sich im See das Bergmassiv des Aoraki spektakulär spiegelt. Ich will hier unbedingt wieder hin, da ich dieses Mal meine neue Kamera samt Polfilter habe.
Der Weg ist mit 45 Minuten als Rundweg länger als ich in Erinnerung hatte, aber er lohnt sich. Leider ist das Wetter nicht sonderlich gut und die Bilder werden nicht ganz so, wie ich sie wünsche.

Lake Matheson
Lake Matheson

Danach gehe ich noch ins Cafe, da der Magen knurrt - leider haben die ab 3 kein Mittagessen mehr. Und im nahegelegenen Ort "Fox Glacier" kostet eine Pizza 24 NZ$ und eine Schale  Pommes 8$. Ich verzichte und wende mich zum wiederholten Male den neuseeländischen Knautschbrötchen zu. Zumindest die Schokocreme kriegen sie ganz gut hin.

Nun geht  es weiter - von Fox Glacier Richtung Haast. Meine Hoffnung ist nun, dass es zumindest noch bis Pleasant Flat reicht, meine Befürchtung ist, dass der Ort Haast schon zu hoch gegriffen ist. Das Wetter schlägt nämlich gerade um: Regen. Das macht im Urlaub wenig Spaß. Auf einer Passstraße noch weniger. Aber wenn man sich umschaut und den dichten Regenwald in allen Grünschattierungen sieht, sollte einem klar sein, dass hier öfter mal mehr Wasser runter kommt.

Der Haast Pass
Der Haast Pass

Zum Glück ist die Straße sehr gut und die Sonne ist noch lange oberhalb des Horizonts - dank der Berge, der sehr tief hängenden Wolken und des Regens sehe ich sie nicht. Aber es ist schön hell.

Gegen 19:30 kommt der Campervan am Pleasant Flat Campingground zum Stehen. Der kurze Spaziergang zum DOC-Bezahl-System stellt sich jedoch als Spießrutenlauf heraus. Ein Schwarm Sandflies hat nur auf mich gewatet. Während ich hektisch  das Nummernschild und meine Adresse auf den Zettel kritzel haben mich schon vier auf jedem Arm besucht. Während ich das Geld in den Umschlag packe sehe ich zwei Neue - auf meiner linken Hand. Ich ahne, dass ich heute nicht mehr vor die Tür gehe.

Vor dem Essen im Camper werfe ich noch einen Blick aufs Navi - morgen schaffe ich es bis Queenstown und bin damit wieder völlig im Plan. Und ich kann mich freuen: morgen gibt es den einzigen Burger weltweit, den ich esse - Fergburger. The BEST of the BEST.