Guten Morgen lieber Mittwoch hieß es heute und damit auch: Ab auf die Straße!
Geplant war heute im Wesentlichen eine kurze Fahrt nach Dunedin mit anschließender Schaffarm-Besichtigung und dann eine zweite, lange Fahrt bis hoch nach Ashburton. Aufgegangen ist der Plan zwar nicht, aber das ärgert heut niemanden.

Die Stadt Dunedin (gesprochen Duh-Nie-Dinn) ist schottischen Ursprungs und das merkt man ihr auch an (Straßennamen und Vororte). Und wenn man hier eine halbe Stunde rumläuft weiß man auch, warum sich hier nur die Schotten halten konnten. Es ist kalt. Es ist windig. Und das bei Sonnenschein. Ich möchte Dunedin nicht bei Regen und Sturm erleben habe ich beschlossen.
Bemerkenswert ist, dass die Bewohner das irgendwie anders sehen: eine ganze Reihe von Frauen läuft in Shorts oder Minirock herum. Ich friere schon an den Ohren :-/

Dunedin Bahnhof
Dunedin Bahnhof

Leider klappt das mit der Schaffarm heute nicht - die Tour ist zu spät und auch nur in Kombination mit einer zweiten Tour zu haben. Das ist mir zu doof. Also geht es nur eine Runde zu Fuß durch die Innenstadt. Außerdem wird beim Countdown-Supermarkt noch ein letztes Mal das Lager aufgefüllt: Brötchen, Wein und Gummibärchen. Was der Verkäufer denkt ist mir mal egal.
Ein lustiges Detail ist mir auf dem Platz vorm Bahnhof aufgefallen. Dort sind verschiedene Flaggen und Symbole als Blumenbeete angelegt. Und für den grünen Hintergrund verwendet man in Dunedin sowohl Gras, Salat als auch Petersilie. Der Rest sind Blumen.

Dunedin - Petersilie im Blumenbeet
Dunedin - Petersilie im Blumenbeet

Die Straßen sind hier wieder besser: schnurgerade, viele Passing Lanes (Überholspuren auf der Landstraße) und kaum Ortschaften um den Fluss zu bremsen. Dadurch erreiche ich nach nur einer Stunde Moeraki.
Hier haben sich irgendwie Steine gebildet, die richtig schön rund sind. Leider ist diese Ecke kein Geheimtipp und der Platz ist recht überlaufen. Trotzdem ist es hier und am nahe gelegenen Kaka Point (heißt echt so, bedeutet im Englischen aber nichts) wunderschön!

Moeraki Boulders - bis zu einem Meter Durchmesser
Moeraki Boulders - bis zu einem Meter Durchmesser

Der letzte offizielle Halt für heute heißt Oamaru. In der Nähe dieser Stadt befindet sich ein bekannter Steinbruch aus dem die Steine für viele repräsentative Gebäude Neuseelands und Australiens stammen. Mit den gleichen Steinen haben die Bewohner dann auch ihre Kirche gebaut, ihr Rathaus, ihre Bank und vermutlich auch ein paar Strandhäuser.
Hier fallen mir zum ersten Mal Straßenschilder mit einer besonderen Eigenschaft auf: die stehen auf beweglichen Gelenken. Der Wind bläst hier so stark, dass man es sogar für nötig erachtet, den Straßenschildern zu erlauben, sich in den Wind zu legen. Verrücktes Land!

Oamaru
Oamaru
Kirche von Oamaru
Kirche von Oamaru

Heute geht es auf den billigsten Campingplatz, den es auf dieser Reise geben wird. Er kostet NICHTS.
In Neuseeland ist das so genannte "Freedom Camping" bekannt und wird auch von vielen Gemeinden erlaubt. So lange man seinen Müll wieder mit nimmt und einen geeigneten Camper hat (mit Toilette), darf man auf entsprechend ausgewiesenen Flächen seinen Urlaub verbringen. Ich stehe gerade am Ellesmere Lake - einer Lagune südlich von Christchurch.
Hier gibt es sogar öffentliche Toiletten und fließend Wasser in Trinkwasser-Qualität. Entsprechend steht hier auch ein Bus (also ein richtiger Bus, umgebaut zum Camper) und scheint sich auch nicht so bald weg zu bewegen.

Morgen soll es bis nach Kaikoura hoch gehen. Vielleicht sehe ich dieses Mal Wale. Bitte Daumen drücken.

Der Morgen in Invercargill beginnt mal wieder mit einem persönlichen Highlight: Alpacas!
Ich liebe diese Viecher ja und hier auf dem Kiwi Holiday Park in Invercargill gibt es zwei davon. Ich stehe also in kurzer Hose und T-Shirt bei viel zu kleinen Temperaturen im morgendlichen Sonnenlicht und versuche das braune und weiße Tier davon zu ǘberzeugen, dass ich Streicheln darf. Geht leider nicht. Aber sie kommen nah ran und ich knipse ein paar Bilder.

Heute steht eine  Ecke Neuseelands auf dem Plan, die bei fast allen Touren fehlt und die auch ich noch nicht gesehen habe: die Catlins.
Diese Region im Südosten ist touristisch noch nicht sonderlich erschlossen, hat viele, sehr kurvige Straßen und verzichtet auch weitestgehend auf Asphalt. Es ging heute zwar nur etwa 240 Kilometer durchs Land, aber die hatten es in sich.

Die erste Station heißt "Curio Bay". Hier findet sich ein versteinerter Wald aus dem Jura. Das heißt die Baumstämme, die man hier anfassen kann sind schon seit 180 Millionen Jahren unter der Erde. Leider respektieren nicht Alle diese besondere Hinterlassenschaft der Natur und bedienen sich an den Fossilien um Souvenirs zu sammeln und laufen auf Teilen des Waldes herum, die für die Öffentlichkeit nicht freigegeben sind. Das einzig Beruhigende ist, dass der Wald nur ein paar Stunden rund um die Ebbe sichtbar ist und viele Besucher diese Schönheit nicht kaputt machen können, weil sie nicht erreichbar ist.

Versteinerter  Wald bei Curio Bay
Versteinerter Wald bei Curio Bay

Drei Mal stand heute das Gleiche auf dem Programm: Wasserfall. Jeweils zwischen 20 und 40 Minuten Rundweg führten uns zu schönen, kleinen Kaskaden, die sich in mehr oder weniger große Tiefen stürzten und deren Schönheit ich auf Speicherkarte bannen wollte. Ob es geklappt hat könnt ihr selbst bewerten...

McLeans Falls
McLeans Falls

Matai Falls
Matai Falls

Purakanui Falls
Purakanui Falls

Ein ungeplanten Abstecher an einem der Hinweisschilder bringt uns zu "Jack's Blowhole" - einem mächtigen Krater etwa 200 Meter von der Küste entfernt, in den das Wasser des Ozeans irgendwie hineinspült und spektakuläre Wellen schlägt. Fotos sind hier nicht so richtig einfach, da es Kopfüber 50 Meter in die Tiefe geht und ich da nicht wirklich nah ran kann, aber vielleicht erkennt man doch etwas. Am Ende muss man sich sowas natürlich selbst anschauen...

Blick in Jack's Blowhole
Blick in Jack's Blowhole

Letzte Station heute war "Nugget Point" - die letzte Geröllstraße für heute führt neun Kilometer in Richtung Küste, vorbei an wunderschönen Sandstränden und immer hinauf auf die Felsen. Dort angekommen windet sich ein 900 Meter langer Weg an den Klippen entlang - ohne Abgrenzung. Wer mich kennt weiß, dass ich Leitern schon nicht so toll finde. Ich durfte heute an einer steilen Felswand mit 76 Meter Luft unter mir entlang gehen. Der Weg ist eigentlich ganz gut für zwei Personen geeignet, aber irgendwie traue ich solchen Sachen dann doch nicht.
Am Ende des Weges steht ein Leuchtturm und ich möchte mir nicht vorstellen, wie der gebaut wurde und wer das Material transportiert hat..

Weg zum Leuchtturm von Nugget Point
Weg zum Leuchtturm von Nugget Point

Die Aussicht belohnt jedoch ungemein. Das Meer ist extrem weit sichtbar und völlig klar. Wir sehen eine Robbe, die im Wasser ihre Bahnen schwimmt - aus vielen hundert Metern Entfernung kann man sehen, dass sie zwischendurch Luft holt und dann wieder taucht.
Auch das Spiel der Wellen an den steilen Felsen ist beeindruckend. Nur kann ich nicht sonderlich nah ran um Bilder zu machen - der Abgrund ist mir zu fies.
Als der Camper mich wieder hat bin ich gut verschwitzt und habe mir mindestens zwei Schnitzel verdient. Leider gibt es die hier nicht.

Die Klippen bei Nugget Point
Die Klippen bei Nugget Point

 
Das Schöne am heutigen Tag war nicht nur, dass ich viel Zeit zwischen den Stationen hatte und dass die Landschaft schön war, sondern dass es sehr wenige andere Touristen gab. Nur an den einzelnen Stationen hat man die Touris getroffen, aber den Straßen war man praktisch allein. Kein Radio, kein Handy und endlich keine anderen Menschen. Fein!

Am heutigen Morgen hieß es Abschied nehmen von Moke Lake und der Adrenalinhauptstadt der Welt. Der Weg führt entlang des Lake Wakatipu immer auf dem State Highway 6 entlang nach Süden. Der Weg durch Southland macht klar, wo Neuseeland seine Landwirtschaft konzentriert hat. Hier ist alles von der Schaf- zur Rind- zur Hirschfarm. Sogar eine Elchfarm habe ich gesehen. Drum herum sind große Flächen mit Getreiden.

Blick aus dem Fenster in Southland
Blick aus dem Fenster in Southland

Da die Straße schnurgerade ist und es hier kaum nennenswerte Erhebungen gibt fliegen die Kilometer nur so dahin und schon nach knapp zwei Stunden finde ich mich in Invercargill wieder. Weit vor Plan.
Selbst das Einchecken am Campingplatz ist noch nicht möglich, Ich darf mir aber trotzdem schon einen Platz aussuchen und entscheide mich für eine Ecke mit Hecke auf zwei Seiten. Grund dafür ist eine wirklich steife Brise, die schon den ganzen Tag weht und von der mein Bauch sagt, dass die auch weiter wehen wird.
In Invercargill selbst gibt es ein kostenloses Museum, dess Hauptattraktion für mich das Terrarium der Tuataras ist. Hier lebt auch der älteste bekannte Vertreter dieser Dinausauriergattung - Henry. Henry ist ungefähr 111 Jahre alt und wurde im 19. Jahrhundert "domestiziert". Leider war das Kerlchen ziemlich aggresiv, als er im Museum ankam und um 2002 hat man ihm einen Tumor entfernt. Seit dem ist er nicht nur umgänglicher geworden, sondern hat sich auch wieder gepaart. Derzeit schätzt man, dass diese erstaunlichen Tiere etwa 200 Jahre alt werden.
Ansonsten hat Invercargill nicht viel zu bieten. Die Deko der Geschäfte und viele der Fassaden sind in den 70er Jahren stehen geblieben und nicht alle wurden seit dem liebevoll gepflegt. Ich sehe auch einen enormen Leerstand bei den Ladengeschäften und das in viel größerem Maße als im Rest Neuseelands. Überhaupt wirkt Invercargill nicht wie der Rest des Landes und ich weiß nicht so recht, woran das liegt. Vielleicht fehlt es einfach an Touristen und ihrem Geld um der heimischen Wirtschaft einen Impuls zu geben.

Basilika von Invercargill
Basilika von Invercargill

Was auf jeden Fall floriert sind Landmaschinen (ich habe Class, John Deer und noch zwei weitere gesehen) sowie Religion. Das Navi hat etwa 20 verschiedene Kirchen angeboten und die waren alle von verschiedenen Ausprägungen des christlichen Glaubes.
Da das Städtchen einen deprimieren kann geht es gleich weiter nach Bluff.

Blick über Bluff
Blick über Bluff

Dieses kleine Städtchen ist größer als ich dachte, aber das heißt nicht viel. Bei Bluff handelt es sich um die südlichste Siedlung Neuseelands und man kann von hier die südlichste Insel "Steward Island" sehen. Außerdem gibt es einen Pub namens "Lands End" - Ende des Landes.
Bluff hat noch weniger zu bieten als Invercargill, macht sich jedoch einen Namen mit der einzigen Aluminiumhütte Neuseelands und dem südlichsten Hafen.

Das Ende von Neuseeland
Das Ende von Neuseeland

Am Abend geht es wieder ruhig zu und ich hoffe ein Mal mehr auf einen klaren Himmel zum Sterne-Schauen, der sich aber einfach nicht einstellen will.

Gestern Abend gab es noch einen wirchtigen Eventpunkt: FERGBurger!
Nach dem Anstehen von etwa 20 Minuten kommt noch Mal 20 Minuten Wartezeit hinzu, bis man bedient wird. Damit sind wir eigentlich ganz gut dran gewesen. Mittags wartet man gern mehr als eine Stunde auf sein Essen. Ja... so überlaufen ist das. Die Küche ist klein, aber voller Leute, die echt schuften. Da kann man zuschauen und weiß einfach, dass es an den Bestellungen liegt, nicht am Personal.
Das Ergebnis der Warterei war aber grandios. Bombastisch. Phänomenal. Aber ich möchte es nicht zu sehr loben. ;-)
Also ganz klares Votum: Wer in Neuseeland ist, MUSS zum Ferg. Es gibt auch vegetarische Burger. Keiner Ahnung, ob die jemand mag, aber die sind vom Ferg.

Heute stand einer der wichtigsten Punkte auf der ToDo-Liste: Kiwi-Vögel anschauen. In Queenstown gibt es das s.g. "Kiwi & Birdlife Sanctuary" wo man nicht nur lebende Kiwis beobachten kann, sondern auch ganz viele andere Vögel, die es in NZ früher in Massen gab und heute leider fast nur noch in kleinen Abschnitten gibt.
Es gab mal Millionen von Kiwis, heute gibt es noch 75.000 und das nur, weil man massive Programme gestartet hat um die Population zu retten. Die wichtigsten Gegner der Kiwis sind Opossums und Stouts (kleine Nager, ähnlich der Wiesel), die von den Siedlern eingeschleppt wurde und dank fehlender natürlicher Feinde eine explosionsartige Verbreitung gefunden haben. Diese Feinde werden nun seit einigen Jahren massiv bekämpft um den Kiwis eine kleine Chance zu geben. Dies reicht aktuell dazu, einem Küken in freier Wildbahn eine Überlebenschance von FÜNF Prozent zu geben. Da ein Kiwi-Weibchen pro Jahr ein oder maximal zwei Eier legt, ist klar wie gering diese Chance ist.
Um das Ganze zu verbessern gibt es ein staatlich organisiertes Zuchtprogramm. Dabei werden genetische Fingerabdrücke aller 100 in Gefangenschaft lebender Kiwis verglichen und passende Pärchen gebildet. Da Kiwis lebenslang treu sind bleibt es bei diesen Verbindungen.

Das Zentrum in Queenstown beteiligt sich an diesem Programm, ist aber vollständig von den erzielten Einnahmen abhängig. Im Gegensatz zu Deutschland wird dieser Zoo also nicht bezuschusst. Dementsprechend fallen auch die Preise aus: 43 NZ$ pro Person Eintritt.

Dafür bekommt man aber vier Mal am Tag die Chance Kiwis beim Fressen zu beobachten. Da die Tiere nachtaktiv sind laufen die Uhren im Kiwi-Haus anders. Europäisch.
Dadurch kann man am neuseeländischen Tage zuschauen, wie die Kiwis im Schein einer roten Lampe (rot sehen Kiwis nicht) im Boden picken und graben. Fotos und Videos darf man hier leider nicht machen. Ich kann aber sagen, dass die Tiere unglaublich putzig ausschauen, auch wenn sie wesentlich größer sind, als ich früher dachte.

Ein erwachsener North Island Brown Kiwi hat etwa die Körpermasse eines deutschen Haushuhns. Nur, dass die Beine länger sind und ein ewig langer, spitzer gelber Schnabel am vorderen Ende ist.

Ich LIEBE Kiwis. Ganz, ganz tolle Tierchen und ich freue mich den Park zu unterstützen. Auch die s.g. Conservation Show sollte man sich anschauenk, z.B. 11 Uhr Vormittags.

Nach dem Besuch im Zoo gibt es heute noch eine Station in Queenstown und es dreht sich schon wieder um Essen: Bombai Palace stand im Internet mit guten Kritiken und ich bestelle Dinge, die es laut Karte nicht gibt: Aloo Matter und Paneer Jalfrezie. Dazu ein Plain Naan und ein Garlic Naan.
Sehr lecker, sehr zu empfehlen!

Nun liegt das hektische Queenstown hinter mir und es geht hinauf in die Berge an den Moke Lake. Seit letztem Mal hat sich hier Einiges verändert, aber das Panorama bleibt ergreifend schön und ich parke den Camper in einer kleinen Bucht zwischen den Dornenbüschen und genieße hier etwas Ruhe. Wunderbar.

Blick über den Moke Lake
Blick über den Moke Lake