Das neue Jahr ist da! Und mit ihm: Trockenheit vor der Tür. Dummerweise ist das Feuer natürlich im alten Jahr geblieben und das Neue bringt erst Mal Kälte in die Hütte.
Ich bin vermutlich als Erster wwach - keine Überraschung. Ich überlege noch, ob ich einfach ein Feuer anfachen sollte. Ich lasse es bleiben und drehe mich nochmal um. Der Wecker soll ja erest gegen 7:30 klingeln.
Als sich die drei Wellington-Damen gegen sechsdreißig aus dem Schlafsack schälen schaue ich noch zwei Minuten zu und stehe dann auch auf. Mein warmer Schlafsack wird dankbar als Überdecke angenommen.
Ich schaue beim Frühstück zu und auch die beiden Spätankömmlingen stehen auf. Alle essen etwas warmes zum Frühstück. Es sieht nach Haferbrei aus. Yak. Also jetzt nicht mit Yak-Fleisch, sondern das Geräusch.

Da es draußen jetzt wirklich schön wird, mache ich noch ein paar Bilder und nach dem Frühstück geht es auf den Track.


Der Plan ist klar: 10:45 kommt das Wassertaxi wieder vorbei. Wenn der Weg Mist ist, muss nach etwa 45 Minuten die Entscheidung stehen, dass der Rückweg angetreten wird.

Man sieht nun, warum die Spätankömmlingen davon berichtet haben, im Knietiefen Wasser durch eine Furt gewatet zu sein - überall liegen Baumstämme. Die Abläufe des Gebirgswassers sind bis zu 1,5 Meter tiefe Geröll-Scharten, die quer über den Weg geschnitten scheinen.
Der Weg selbst ist zwar sichtbar, aber an vielen Stellen flächendeckend mit Wasser überschwemmt. Da wo das Wasser nicht steht, ist der Matsch.

Der Track startet doch etwas beschwerlich und mehr als ein Mal kommt der Gedanke ans Wassertaxi hoch. Aber ganz so ein Weichei bin ich dann doch nicht. Die Kilometer ziehen sich aber doch hin. 11 km Wegstrecke um den 8km langen See entlang zu laufen.
Der Blick ist natürlich atemberaubend. Der Wald ist strahlend schön und wo die Sonne durch die lichten Baumkronen bis auf den Waldboden scheint, erheben sich kleine Nebelschwaden und man kann zusehen, wie das Wasser verdampft (oder sublimiert?).
Dazu die Ruhe und das zwitschern exotischer Vögel.

Leider habe ich kaum Bilder gemacht - der Weg erforderte einiges Geschick und trotzdem sind meine Hosen dreckig, meine Schuhe durchnässt und meine Zehen feucht. Mehr als ein Mal geht es durch einen reißenden Gebirgsstrom - zum Glück nie höher als einige zwanzig Zentimeter. Man kann also durch und wird nur nass.

Am Ende schalte ich einfach in den Bundeswehr-Modus von früher: Kopf aus, Füße vorwärts. Mein Nacken tut weh, da der Rucksack zieht und ich ständig nach unten sehen muss. Außerdem finde ich so langsam, dass ich zuviel dabei habe. Und eigentlich müsste ich doch schon da sein...
Als ich den Parkplatz erreiche bin ich happy, da der Campervan noch da steht und ich auch gleich einen 3$-Token für eine heiße Dusche bekomme. 1,91 € für etwa 5 Minuten heißes Wasser sind irgendwie Luxus, aber den brauche ich jetzt auch. Hab ich auch verdient.

Anschließend geht es wieder auf die Straße nach Muchison. Ganz in der Nähe ist Neuseelands längste Hängebrücke zu finden - 110 Meter frei schwebend über dem reißenden Buller River. Durch den Regen der letzten Nacht ist das Wasser braun, brakig und unheimlich schnell - das Flussbett ist durch die Felswände einfach zu schmal für die Wassermassen.
10$ Eintritt und meine Höhenangst bewegen mich dazu, dieses Ding nicht zu betreten. 18.000 Fuß mit einem Fallschirm, okay. Aber 110 Meter Hängebrücke mit pubertären Kindern? NEIN!

Hängebrücke am Buller River
Hängebrücke am Buller River

Da die Straßen auf der Südinsel selbst jetzt im Hochsommer leer sind geht es noch weiter, vorbei an Westport und Cape Foulwind - die hatte ich letztes Mal besucht.

Letzter Stopp für heute ist Rapahoe. Der Campingplatz liegt direkt an der Tasmanischen See und man hört das kräftige Rauschen der Wellen zu jeder Zeit. Ein traumhafter Sonnenuntergang ist dann die letzte Belohnung für den geschundenen Körper, bevor es ins Bett geht...

Heute neigt sich wieder ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu und soll Platz machen für ein Neues. Besseres. Schöneres. Spannenderes Jahr.
Klar ist, dass es heute zum "Lakehead Hut" am Ende es Lake Rotoiti gehen soll. Diese Hütte ist eine von vielen im ganzen Land, welche vom DOC (Department of Conservation) betrieben werden und an strategisch praktischen Orten nahe der vielen, vielen Wanderrouten liegen.
Manche dere Hütten bieten nichts als einen Unterschlupf, andere (wie die Lakehead) heißen "Serviced Hut", da sich jemand darum kümmert, dass Feuerholz bereit liegt  und vielleicht noch zwei, drei andere Sachen.
Trotzdem ist dort kein Komfort zu erwarten - fließend Wasser (eigentlich gesammeltes Regenwasser), eine Toilette (vulg. Plumpsklo) und ein Ofen zumm Feuer machen. Außerdem Doppelstock-Bänke und Matratzen.
Also muss alles andere mit:
Schlafsack
Kopfkissen
Handtuch
Toilettenpapier
Trinkwasser
Abendessen
Frühstück
Geschirr
Besteck
Gaskocher
Beschäftigung (Karten, Bücher)
...

Alles ein Mal auf den Rücken bitte. Und weil hier Neuseeland ist, packt man seine Innenjacke, die Regenjacke, die Regenhosen und die Wanderstiefen ein oder zieht sie an.

Zweite Sorge - für die Hütten muss man bezahlen. Dazu gibt es im lokalen Visitor-Center blaue und grüne Papierstreifen, deren einen Abschnitt man in der Hütte in eine Box wirft (wie die Vertrauenskasse am Straßenrand) und den Rest irgendwo am Rucksack befestigt. Damit ist sofort klar, wer gezahlt hat, für wie lang und wieviel (blau = 5$, grün = 15$).

Leider, leider zeigt NZ heute wieder, warum man hier immer Regensachen dabei haben sollte. Es schüttet wie aus Eimern. Bei einem 3 bis 4-Stunden Marsch sind das keine guten Aussichten, besonders da es mein erster Track sein wird.
Zum Glück gibt es eine Alternative - am lake Rotoiti verkehrt ein Wassertaxi, das drei Mal täglich für 30$ pro Person bis kurz vor die Hütte fährt, oder nach Voranmeldung für 100$ jederzeit fährt.

Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi
Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi

Die Entscheidung ist einfach: 14:45 steh ich am Taxistand (aka Steg) und steige für 15 Minuten in ein stark motorisiertes Schlauchboot und lasse meinen Rucksack und mich mitten in den Nationalpark bringen. Dort warten auch schon Gäste für die Rückfahrt und das Wetter unterstreicht, dass es heute keine super Idee wäre zu wandern.
Die 15 Minuten restlicher Weg sind schnell geschafft und es zeigt sich, dass vor uns schon drei Damen "eingecheckt" haben. Die drei sindn aus Wellington und verbringen ihre Weihnachtsferien gemeinsam beim Wandern über die Südinsel. Einen Track haben sie schon gemacht, hier startet der zweite. Die drei sind durch den Regen gelaufen und ich fühle mich als Weichei.
Da alle gesprächig sind wird es eine lustige Runde und als noch später am Abend zwei völlig durchnässte Seelen eintreffen fachen wir das Feuer noch stärker an. Die beiden bestätigen uns, dass es nicht mehr aus Kübeln regnet, sondern aus Badewannen.

Aussicht von der Hütte
Aussicht von der Hütte

Da die fünf anderen am nächsten Morgen weiter wollen - die einen 9 km weit, dabei 1000 Meter höher und die anderen gut 7 Stunden Weg vor sich haben, bleibt leider niemand bis Mitternacht wach und auch ich schlafe gegen elf ein. Die Nacht ist kühl ohne das Feuer und mit dem ewigen Regen, aber eigentlich geht das Jahr ganz gut zuende:
Einsame Hütte, kein Handy, kein Radio, kaum Menschen und... keine Deutschen.

 

Der heutige Tag war leider deutlich weniger spannend als er hätte sein müssen. Tipp für jeden Reisenden: Bucht eure Fähre zwischen den Inseln auf früh morgens. Es ist weit einfacher alles Abends zu richten und dann pünktlich bei der Fähre zu sein, als den halben Tag auf die Fähre zu warten.
Meine Überfahrt war für 14:45 geplant. Mit Fahrzeug muss man eine Stunde eher da sein - 13:45. Um sicher zu gehen (als guter Deutscher) plane ich noch etwas eher ein.
Dumm nur, dass man 10 Uhr vom Campingplatz verschwunden sein muss. Bleiben also noch fast vier Stunden. Zu wenig für Te Papa. Zu viel um einfach zu warten.

Zum Glück kann man einkaufen gehen. Die Reserven aufstocken. Zum Vergleich mal wieder Preise:
120g Schinken - 2,44 $
Karotten 1,5kg - 4,50 $
Toastbrot 600g (extra-fluffig) - 1,00 $
Coca Cola 1,5l - 3,39 $ (mit Rabatt 2 $)

Leider war danach immer noch viel, viel Zeit und da es dann wirklich nicht mehr für Wellington gereicht hätte, habe ich mich als 9. in die Schlange für die Fähre gestellt und dann noch gute drei Stunden Sitzfleisch bewiesen. Minesweeper sei Dank!

Die Fähre
Die Fähre

Leider, leider heißt früh aufstellen bei der Fähre nicht, dass man früh dran kommt. Wieder ein Tipp für andere Reisende: kommt wirklich erst eine Stunde vor Abfahrt.
Tatsächlich war ich nicht nur der 9. der da stand, sondern auch einer der letzten, der auf die Fähre durfte. Und weil das Ding schon gut voll war, hieß es: geh mal aufs Zug-Deck. Und fahr bitte rückwärts über die Schienen rein. Zwei Campervans durften das versuchen. Beide wurden letzten Endes vom Fährpersonal rein gefahren. Die anderen Campervans in der Reihe wurden irgendwo anders abgestellt... warum wohl?!

Von der Fähre aus
Von der Fähre aus

Die Überfahrt war dann wieder total schön. Die Fähre lag extrem ruhig im Wasser, sie war nicht sonderlich voll (gefühlt) und lässt sich sehen. Im Foodcourt gibt es Hähnchen-Nuggets und Pudding, an der Bar kann man Bier oder Latte bestellen und im bordeigenen Kino läuft ein Kinderfilm.
Zusätzlich tritt ein Zauberer auf, es gibt eine Wickelstation mit Gitterbetten zum Schlafen und jede Menge Spielzeug.
Und nach etwas mehr als der Hälfte der Fahrzeit kommt dann auch der Malborough Sound in Sicht und man kann einfach Landschaft gucken. Und wie!
Das Wetter war wieder fantastisch und trotz des kräftigen Fahrtwindes konnte man im T-Shirt draußen stehen und Fotos machen. Das haben dann auch Alle gemacht.

Nach der Ankuft durfte ich als dritter oder vierter raus fahren. Und dann gleich ab auf den State Highway in Richtung Campingplatz für heute Nacht. Geplant war ein sehr ruhiger, einfacher Campingplatz am Rande der SH63. Leider hat mein Handy die SMS, dass alles gut ist nicht verschickt und bevor sich die Verwandschaft den Kopf zerbricht bin ich dann weiter gefahren - Empfang war leider nicht an dem einsamen Campingplatz.
Also weiter, weiter, weiter. Schließlich habe ich in St. Arnaud wieder Empfang und die Nachricht geht raus.
Da ich sowieso nach St. Arnaud wollte, passt das jetzt wieder und der Campingplatz am Lake Rotoiti ist unglaublich schön...

So hat der Tag nach viel Warterei und einer ungeplant langen Fahrt doch noch ein schönes und versöhnliches Ende genommen.
Wenn nur diese Horden an Sandflies nicht wären :-(

Lake Rotoiti
Lake Rotoiti

Heute war die Hauptstadt Neuseelands Programmpunkt. Vorher musste aber noch eine Reparatur am Campervan organisiert werden. Seit gestern piepst die Warnleuchte für die Beleuchtung auf. Ein paar einfache Anrufe, weil ich immer zu blöden Zeiten dazu komme später habe ich einen Termin um 10 Uhr, etwa zwei Minuten Fahrt vom Campingplatz entfernt. Perfekt.
Weil ich ungeduldig bin, tauche ich eine halbe Stunde zu früh auf und werde trotzdem bedient. Das Wechseln der Birne geht erstaunlich problemlos am VW Crafter. Mein BMW hätte vermutlich ein Mal auseinandergebaut, gereinigt und wieder zusammengesetzt wollen.
Danach ging es per Bus in die Stadt. 8,50 NZ$ für ein Tagesticket ist fair. Die Fahrt dauert fast 50 Minuten, weil hier alle Ecken mitgenommen werden, aber mich als Tourist stört das natürlich wenig.

Old Saint Paul's
Old Saint Paul's

Meine erste Station ist die alte Kathedrale St. Paul's. Dieses noch immer geweihte angelikanische Gotteshaus ist heute eine Art lebendes Museum. Und gleichzeitig eine Ikone. Für die englischen Siedler brachte der gotische Holzbau etwas von der Heimat zurück. Es wurden die selben Liederbücher und die gleiche Bibel genutzt, wie in der alten Heimat.
Ich bin von der Bauart und der Schnitzkunst beeindruckt.

Zweite Station ist die Waterfront und auf Empfehlung hole ich mir ein Eis von "Kaffee Eis". Sehr lecker!

Dieses Mal geht es nicht ins Te Papa - dieses fantastische, kostenlose Museum braucht einfach einige Stunden und ich hoffe einfach, dass sich nicht soooo viel verändert hat im Vergleich zu meinem letzten Besuch.
Stattdessen finde ich mich für die letzte Tour im Parlament ein. Leider kann ich euch keine Bilder aus dem Inneren liefern. Nach einer Security-Kontrolle wie am Flughafen muss jeder Kameras und Handys abgeben.

Das aus vier Gebäuden bestehende Parlament vereint verschiedene Stile und ist durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Das "Beehive" genannte Gebäude beherbergt den Regierungssitz, daneben findest sich das House of Parliament und das dritte Gebäude die Library of Parliament. Ein viertes Gebäude wurde hinzugemietet um verschiedene Ministerien aufzunehmen, für die kein Platz mehr war.

Beehive und House of Parliament
Beehive und House of Parliament

Auch über das Wahlsystem und den Weg vom Antrag zum Gesetz wurde auf der Führung Einiges berichtet. Für uns Deutsche mache ich es kurz: Alles wie zuhause. Seit 1996 gibt es das MMP-Wahlrecht, also zwei Stimmen, wie bei uns. Da mir das englische Wort für "Überhangmandat" nicht einfiel konnte ich leider nicht fragen, wie das läuft.

Interessant fand ich, dass jeder Gesetzentwurf direkt nach erster Lesung online gestellt wird. Genau wie bei uns gibt es Ausschüsse, wo die eigentliche Arbeit erledigt wird. Genau wie bei uns muss am Ende jemand unterschreiben, der nichts für das Gesetz kann.

Alles in Allem war es ein ruhiger Tag mit etwas Shopping und Kultur dazwischen. Falls es die Damen interessiert, habe ich hier noch ein Bild der nächsten Sommermode. Also vermutlich. Ohne Gewähr.

Sommermode in Wellington
Sommermode in Wellington


Und noch etwas für die Weihnachtsfreunde unter uns: