Nachdem in der ganzen Nacht kein kleines Fenster und keine Türritze offen war blieb ich während des Schlafes weitestgehend von Sandflies verschont. Gute Sache!

Kurz nach 8 ging es dann auf die Straße und schon nach etwa 5 Minuten zum ersten Wasserfall. Den Namen habe ich mir nicht gemerkt, wohl aber, dass es direkt am Wasser UNMENGEN an Sandflies gab.
Eine Maori-Saga besagt, dass die Götter diese Blutsauger geschickt haben um uns daran zu erinnern, dass wir hier in Neuseeland NOCH nicht im Paradies angekommen sind.

Der zweite Stopp folgt nur 20 Minuten später - die Blue Pools locken.
Der kurze Walk durch den Wald ist leicht bezwungen und mündet in einer Hängebrücke. Nicht 110m wie die Letzte, aber leider auch nicht zu vermeiden. Ich konzentriere mich ganz auf die Holzbalken und blende die Tiefe daneben aus. Leider hat eine der Planken ein Astloch und zeigt mir ganz deutlich, dass es ordentlich nach unten geht. Prima.
Hilfreich ist nur, dass es um die Hängebrücke herum richtig schön ist!

Hängebrücke an den Blue Pools
Hängebrücke an den Blue Pools

Direkt danach landet man an der zweiten Brücke - dieses Mal ein festes Exemplar und man sieht das türkis-blau der Blue Pools. Hier treffen zwei Flüsse aufeinander und das eisige Gletscherwasser bricht in besonderem Maße das Licht - es entsteht ein herrliches Blau.
Leider auch hier: Sandflies.

Weiter geht es entlang am Lake Wanaka und dem Lake Hawea nach Cromwell.

Lake Hawea
Lake Hawea

Eigentlich ist Cromwell nur eine kleine Siedlung in Mitten von Obsthainen, doch mindestens drei der Obstfarmen haben sich zu Publikumsmagneten entwickelt. Schon seit 2008 gibt es davon für mich nur einen: Mrs. Jones.

Hier gibt es frische Früchte, Obst, Honig und allerlei Trockenfrüchte und Nougatkreationen. Und das beste Eis Neuseelands (meiner Meinung nach). Die Portionen sind riesig, man kann eine Eissorte als Basis wählen (z.B. Vanille oder Hokey Pokey) und dann frische Früchte (z.B. Banane, Kiwi oder Waldfrucht) hinzufügen. Kostet dann 5 NZ$ aber ist richtig, richtig lecker!
Insgesamt habe ich über 60 Euro bei der guten Damen gelassen. und die vielen chinesischen Touristen drum herum haben auch gut zugeschlagen. Ich denke den Laden wird es noch eine Weile geben.

Auswahl der Früchte bei Mrs. Jones
Auswahl der Früchte bei Mrs. Jones

Weiter Richtung Queenstown kommt auf der linken Seite "Roaring Meg" ins Hörweite. An dieser Stelle rauscht der Kawarau River sehr laut um eine Kurve und ein Wasserkraftwerk lässt zusätzliche Kubikmeter Wasser hinein schießen. Das Ergebnis ist schön und gefährlich zugleich, Außerdem erinnert den Blick entlang des Flusses, wie es nur Zentimeter neben der Fahrbahn nach unten geht und da wird mir als Höhen-Beeinträchtigten doch etwas schlecht. Aber einen anderen Weg nach Queenstown gibt es nicht wirklich.

Die Sonne sticht mittlerweile ziemlich heftig, obwohl nur 19 Grad auf dem Thermometer stehen. Es fühlt sich nach 30 an und meine Haut meldet auch mal langsam Krebsalarm. Vorletzter Stopp für heute ist der Flughafen von Queenstown. Hier ist eine Mietstation und ich lasse ein mal alles wechseln: Bettlaken, Kissenbezüge, Geschirrtuch und Handtücher. Alles wieder frisch und sauber. Kostenloser guter Service ist noch besser als guter Service.

Last stop of the day: Queenstown, NZ - adrenalin capital of the world.

Die Stadt heißt mich willkommen, wie ich sie schon kenne: voller Menschen und Autos. Mehr junge Backpacker als andere Besucher und an jeder Ecke schreit mich ein Schild an, dass ich mich hier für nur 150$ von einer Brücke oder Klippe stürzen kann, Oder ob ich nicht für 130$ in ein Jetboot steigen möchte? Oder vielleicht doch die 300$ Herr der Ringe Reit-Tour? Oder vielleicht noch schnell ein Tattoo mit für den Weg? "Sweet As" vielleicht?
Dieses Mal habe ich keine halsbrecherischen Aktionen geplant und selbst ein gepflegter Sprung auch 18.000 Fuß ist nicht drin.

Ich bugsiere den Camper in den eher engen Top 10 Holiday Park und berappe die teuerste Liegegebühr bisher (und wohl auch für den Rest der Reise): 59$. Anschließend plündere ich in der Innen"stadt" noch Souvenirläden und den "Cookie Time!"-Laden. Für morgen wird noch geschaut, wann das Kiwi-Zentrum öffnet. Ich will zuschauen, wie die süßen Viecher gefüttert werden.

Cookie Time Laden in Queenstown
Cookie Time Laden in Queenstown

Außerdem check ich die Lage beim Ferg: etwa 15 Meter anstehen. Geht eigentlich aber ich habe noch Zeit bist zum Abendessen. Später...

Schlange beim Fergburger
Schlange beim Fergburger

Fahrtag! Was eine Freude meine lieben Freunde...
Und da sich hier in Rapahoe die Wellen zum Frühstück am Strand brechen und das Rauschen wirklich schön ist komme ich nicht besonders flott hier weg.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass die Duschen (2 Stück) mitten im Speiseraum/Lounge stehen. Ich grüße die Frühstückenden und stelle mich unters Wasser. Irgendwie merkwürdig.

Der Plan ist von Greymouth bis nach Wanaka zu fahren. Völlig übertrieben, weil das viel zu weit ist und an wirklich unschönen Pässen entlang führt. Leider ist auf der Strecke für mich nicht mehr viel zu holen. Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten (Hokitika - Jadearbeiten und Fox/Franz Josef - Spaziergang auf einem Gletscher) habe ich schon genossen und einen anderen Weg nach Wanaka gibt es eigentlich nicht.
Trotzdem verspricht der Tag schön zu werden - die Landschaft ist wieder großartig und hier auf der Südinsel ist es schön leer.

Diese Brücke gehört zu den langsamen...
Diese Kurve gehört zu den langsamen...

In Greymouth wird noch getankt - als heißen Tipp für alle Reisenden: auf der Südinsel lieber zu früh tanken und immer etwas mehr Wasser mitschleppen. Hier gibt es Abschnitte (so wie heute auf meiner Strecke) auf denen 120km KEINE Tankstelle zu finden ist.
Die Straße zieht sich, aber ich mache über Mittag noch gut Strecke und bin gegen zwei beim ersten und einzigen Stopp für heute: Lake Matheson.
Dieser See ist wunderschön mitten in einem Regenwald gelegen durch den man genau einen Weg geschlagen hat: für uns Touristen.
Das besondere ist, dass sich im See das Bergmassiv des Aoraki spektakulär spiegelt. Ich will hier unbedingt wieder hin, da ich dieses Mal meine neue Kamera samt Polfilter habe.
Der Weg ist mit 45 Minuten als Rundweg länger als ich in Erinnerung hatte, aber er lohnt sich. Leider ist das Wetter nicht sonderlich gut und die Bilder werden nicht ganz so, wie ich sie wünsche.

Lake Matheson
Lake Matheson

Danach gehe ich noch ins Cafe, da der Magen knurrt - leider haben die ab 3 kein Mittagessen mehr. Und im nahegelegenen Ort "Fox Glacier" kostet eine Pizza 24 NZ$ und eine Schale  Pommes 8$. Ich verzichte und wende mich zum wiederholten Male den neuseeländischen Knautschbrötchen zu. Zumindest die Schokocreme kriegen sie ganz gut hin.

Nun geht  es weiter - von Fox Glacier Richtung Haast. Meine Hoffnung ist nun, dass es zumindest noch bis Pleasant Flat reicht, meine Befürchtung ist, dass der Ort Haast schon zu hoch gegriffen ist. Das Wetter schlägt nämlich gerade um: Regen. Das macht im Urlaub wenig Spaß. Auf einer Passstraße noch weniger. Aber wenn man sich umschaut und den dichten Regenwald in allen Grünschattierungen sieht, sollte einem klar sein, dass hier öfter mal mehr Wasser runter kommt.

Der Haast Pass
Der Haast Pass

Zum Glück ist die Straße sehr gut und die Sonne ist noch lange oberhalb des Horizonts - dank der Berge, der sehr tief hängenden Wolken und des Regens sehe ich sie nicht. Aber es ist schön hell.

Gegen 19:30 kommt der Campervan am Pleasant Flat Campingground zum Stehen. Der kurze Spaziergang zum DOC-Bezahl-System stellt sich jedoch als Spießrutenlauf heraus. Ein Schwarm Sandflies hat nur auf mich gewatet. Während ich hektisch  das Nummernschild und meine Adresse auf den Zettel kritzel haben mich schon vier auf jedem Arm besucht. Während ich das Geld in den Umschlag packe sehe ich zwei Neue - auf meiner linken Hand. Ich ahne, dass ich heute nicht mehr vor die Tür gehe.

Vor dem Essen im Camper werfe ich noch einen Blick aufs Navi - morgen schaffe ich es bis Queenstown und bin damit wieder völlig im Plan. Und ich kann mich freuen: morgen gibt es den einzigen Burger weltweit, den ich esse - Fergburger. The BEST of the BEST.

 

Das neue Jahr ist da! Und mit ihm: Trockenheit vor der Tür. Dummerweise ist das Feuer natürlich im alten Jahr geblieben und das Neue bringt erst Mal Kälte in die Hütte.
Ich bin vermutlich als Erster wwach - keine Überraschung. Ich überlege noch, ob ich einfach ein Feuer anfachen sollte. Ich lasse es bleiben und drehe mich nochmal um. Der Wecker soll ja erest gegen 7:30 klingeln.
Als sich die drei Wellington-Damen gegen sechsdreißig aus dem Schlafsack schälen schaue ich noch zwei Minuten zu und stehe dann auch auf. Mein warmer Schlafsack wird dankbar als Überdecke angenommen.
Ich schaue beim Frühstück zu und auch die beiden Spätankömmlingen stehen auf. Alle essen etwas warmes zum Frühstück. Es sieht nach Haferbrei aus. Yak. Also jetzt nicht mit Yak-Fleisch, sondern das Geräusch.

Da es draußen jetzt wirklich schön wird, mache ich noch ein paar Bilder und nach dem Frühstück geht es auf den Track.


Der Plan ist klar: 10:45 kommt das Wassertaxi wieder vorbei. Wenn der Weg Mist ist, muss nach etwa 45 Minuten die Entscheidung stehen, dass der Rückweg angetreten wird.

Man sieht nun, warum die Spätankömmlingen davon berichtet haben, im Knietiefen Wasser durch eine Furt gewatet zu sein - überall liegen Baumstämme. Die Abläufe des Gebirgswassers sind bis zu 1,5 Meter tiefe Geröll-Scharten, die quer über den Weg geschnitten scheinen.
Der Weg selbst ist zwar sichtbar, aber an vielen Stellen flächendeckend mit Wasser überschwemmt. Da wo das Wasser nicht steht, ist der Matsch.

Der Track startet doch etwas beschwerlich und mehr als ein Mal kommt der Gedanke ans Wassertaxi hoch. Aber ganz so ein Weichei bin ich dann doch nicht. Die Kilometer ziehen sich aber doch hin. 11 km Wegstrecke um den 8km langen See entlang zu laufen.
Der Blick ist natürlich atemberaubend. Der Wald ist strahlend schön und wo die Sonne durch die lichten Baumkronen bis auf den Waldboden scheint, erheben sich kleine Nebelschwaden und man kann zusehen, wie das Wasser verdampft (oder sublimiert?).
Dazu die Ruhe und das zwitschern exotischer Vögel.

Leider habe ich kaum Bilder gemacht - der Weg erforderte einiges Geschick und trotzdem sind meine Hosen dreckig, meine Schuhe durchnässt und meine Zehen feucht. Mehr als ein Mal geht es durch einen reißenden Gebirgsstrom - zum Glück nie höher als einige zwanzig Zentimeter. Man kann also durch und wird nur nass.

Am Ende schalte ich einfach in den Bundeswehr-Modus von früher: Kopf aus, Füße vorwärts. Mein Nacken tut weh, da der Rucksack zieht und ich ständig nach unten sehen muss. Außerdem finde ich so langsam, dass ich zuviel dabei habe. Und eigentlich müsste ich doch schon da sein...
Als ich den Parkplatz erreiche bin ich happy, da der Campervan noch da steht und ich auch gleich einen 3$-Token für eine heiße Dusche bekomme. 1,91 € für etwa 5 Minuten heißes Wasser sind irgendwie Luxus, aber den brauche ich jetzt auch. Hab ich auch verdient.

Anschließend geht es wieder auf die Straße nach Muchison. Ganz in der Nähe ist Neuseelands längste Hängebrücke zu finden - 110 Meter frei schwebend über dem reißenden Buller River. Durch den Regen der letzten Nacht ist das Wasser braun, brakig und unheimlich schnell - das Flussbett ist durch die Felswände einfach zu schmal für die Wassermassen.
10$ Eintritt und meine Höhenangst bewegen mich dazu, dieses Ding nicht zu betreten. 18.000 Fuß mit einem Fallschirm, okay. Aber 110 Meter Hängebrücke mit pubertären Kindern? NEIN!

Hängebrücke am Buller River
Hängebrücke am Buller River

Da die Straßen auf der Südinsel selbst jetzt im Hochsommer leer sind geht es noch weiter, vorbei an Westport und Cape Foulwind - die hatte ich letztes Mal besucht.

Letzter Stopp für heute ist Rapahoe. Der Campingplatz liegt direkt an der Tasmanischen See und man hört das kräftige Rauschen der Wellen zu jeder Zeit. Ein traumhafter Sonnenuntergang ist dann die letzte Belohnung für den geschundenen Körper, bevor es ins Bett geht...

Heute neigt sich wieder ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu und soll Platz machen für ein Neues. Besseres. Schöneres. Spannenderes Jahr.
Klar ist, dass es heute zum "Lakehead Hut" am Ende es Lake Rotoiti gehen soll. Diese Hütte ist eine von vielen im ganzen Land, welche vom DOC (Department of Conservation) betrieben werden und an strategisch praktischen Orten nahe der vielen, vielen Wanderrouten liegen.
Manche dere Hütten bieten nichts als einen Unterschlupf, andere (wie die Lakehead) heißen "Serviced Hut", da sich jemand darum kümmert, dass Feuerholz bereit liegt  und vielleicht noch zwei, drei andere Sachen.
Trotzdem ist dort kein Komfort zu erwarten - fließend Wasser (eigentlich gesammeltes Regenwasser), eine Toilette (vulg. Plumpsklo) und ein Ofen zumm Feuer machen. Außerdem Doppelstock-Bänke und Matratzen.
Also muss alles andere mit:
Schlafsack
Kopfkissen
Handtuch
Toilettenpapier
Trinkwasser
Abendessen
Frühstück
Geschirr
Besteck
Gaskocher
Beschäftigung (Karten, Bücher)
...

Alles ein Mal auf den Rücken bitte. Und weil hier Neuseeland ist, packt man seine Innenjacke, die Regenjacke, die Regenhosen und die Wanderstiefen ein oder zieht sie an.

Zweite Sorge - für die Hütten muss man bezahlen. Dazu gibt es im lokalen Visitor-Center blaue und grüne Papierstreifen, deren einen Abschnitt man in der Hütte in eine Box wirft (wie die Vertrauenskasse am Straßenrand) und den Rest irgendwo am Rucksack befestigt. Damit ist sofort klar, wer gezahlt hat, für wie lang und wieviel (blau = 5$, grün = 15$).

Leider, leider zeigt NZ heute wieder, warum man hier immer Regensachen dabei haben sollte. Es schüttet wie aus Eimern. Bei einem 3 bis 4-Stunden Marsch sind das keine guten Aussichten, besonders da es mein erster Track sein wird.
Zum Glück gibt es eine Alternative - am lake Rotoiti verkehrt ein Wassertaxi, das drei Mal täglich für 30$ pro Person bis kurz vor die Hütte fährt, oder nach Voranmeldung für 100$ jederzeit fährt.

Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi
Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi

Die Entscheidung ist einfach: 14:45 steh ich am Taxistand (aka Steg) und steige für 15 Minuten in ein stark motorisiertes Schlauchboot und lasse meinen Rucksack und mich mitten in den Nationalpark bringen. Dort warten auch schon Gäste für die Rückfahrt und das Wetter unterstreicht, dass es heute keine super Idee wäre zu wandern.
Die 15 Minuten restlicher Weg sind schnell geschafft und es zeigt sich, dass vor uns schon drei Damen "eingecheckt" haben. Die drei sindn aus Wellington und verbringen ihre Weihnachtsferien gemeinsam beim Wandern über die Südinsel. Einen Track haben sie schon gemacht, hier startet der zweite. Die drei sind durch den Regen gelaufen und ich fühle mich als Weichei.
Da alle gesprächig sind wird es eine lustige Runde und als noch später am Abend zwei völlig durchnässte Seelen eintreffen fachen wir das Feuer noch stärker an. Die beiden bestätigen uns, dass es nicht mehr aus Kübeln regnet, sondern aus Badewannen.

Aussicht von der Hütte
Aussicht von der Hütte

Da die fünf anderen am nächsten Morgen weiter wollen - die einen 9 km weit, dabei 1000 Meter höher und die anderen gut 7 Stunden Weg vor sich haben, bleibt leider niemand bis Mitternacht wach und auch ich schlafe gegen elf ein. Die Nacht ist kühl ohne das Feuer und mit dem ewigen Regen, aber eigentlich geht das Jahr ganz gut zuende:
Einsame Hütte, kein Handy, kein Radio, kaum Menschen und... keine Deutschen.