Heute versprach ein sehr guter Tag zu werden. Gleich früh morgens aufstehen - der Wecker klingelte um 6:30 und ich war schon wach und hab auf ihn gewartet. Annschließend die Schotterpiste zurück in die Zivilisation und an der Küste der Coromandel-Halbinsel hinauf bis zur Driving Creek Eisenbahn um eine kleine Rundfahrt durch Regenwald zu machen.
Dieses Strecke ist anspruchsvoll und die Prognose des Navi falsch. Da ich in Neuseeland  aber grundsätzlich mindestens 20% Aufschlag auf die Prognose gebe, geht der Plan auf.
Am Driving Creek angelangt finden wir dort viele indische Familien in Sari, sowie Koreaner mit großen Hüten und noch größeren Kameras.
Ein kurzer Blick auf den Aushang verrät: 10:15 voll, 12:30 voll, 14:45 voll. Auf Nachfrage erfahren wir, dass schon 15 Leute darauf lauern, ob jemand vergisst aufzutauchen um noch an Tickets zu kommen. Der Entschluss ist einfach: weiter fahren. Warten sinnfrei.

Wildschweine auf der Straße
Wildschweine auf der Straße

Also auf zur nächsten Station: Cathedral Cove, die majestetische, romantische Felsenanlage auf der Ostseite der Halbinsel. Die 20 Kilometer sind überraschend staubig, hügelig und eng. Jeder Kilometer zieht sich hin und es fängt an zu nerven. Natürlich ist die Landschaft atemberaubend, aber ich kann sie euch nicht zeigen - beide Akkus der Kamera sind leer. Und damit schon der zweite Reinfall für heute.

Staubig durch Coromandel
Staubig durch Coromandel

Nach über einer Stunde komme ich am Cathedral Cove an und es wird sofort klar: der Urlaub der Kiwis hat begonnen und die wollen alle hier auf die Coromandel Halbinsel. Dazu die zahlreichen Touristen und schon hat man das Problem: wohin mit dem Campervan!? Diese sechs-Meter-Schüssel parkt sich ganz schlecht auf einem normalen Parkplatz. Und am Seitenstreifen ist überall Parkverbot, da es steil den Berg hinauf geht.
Und damit die zweite Pleite auf der nicht so arg langen Liste der Dinge, die ich auf Coromandel unbedingt machen wollte.
Wieder gilt: atemberaubende Landschaften und jetzt auch tolles Wetter. Aber im Auto genießt man beides nicht so gut.
Also weiter.
Hot Water Beach hatte ich schon gestern Abend von der Liste gestrichen - das funktioniert nur in den zwei Stunden rund um Ebbe und das war heut morgen 5:21 und ist wieder heute Abend 17:29. Da wollte ich aber schon weiter sein.
Also... weiter, weiter, weiter.
Auch ein Abstecher nach Matamata (bekannt als Hobbiton) ist nicht sonderlich erfolgreich verlaufen. Die erhofften Souveniershops haben alle bis 12. Januar geschlossen (klar... die Leute sind ja alle auf Coromandel). Und im i-Site gab es nur Mist.

Der Tag drohte so langsam zur Katastrophe zu werden: keine Fotos, 350 km  gefahren, keine 10 Minuten gelaufen und nur vorbeiziehende, atemberaubende Landschaften. Das ist wie Herr der Ringe, wenn man die Landschaftsbeschreibungen lesen muss.

Am Ende dees Tages gab es dann doch noch einen echten Lichtblick. Unweit des Campinggplatzes finden sich die Kaiate Falls. Man läuft an einer Kaskade von Wasserfällen entlang den Berg hinab um am letzten Wasserfall zu einem natürlich Becken zu gelangen. Jugendliche und Junggebliebene springen aus vier bis sechs Metern Höhe ins eisige Wasser und jauchzen dabei. Eine junge Frau steht schon schlotternd daneben. Gänsehaut bildet sich auch bei mir, als mir ein etwas älterer Mann erzählt, dass er sich vor kurzem den Ellenbogen gebrochen hat, als er von der Klippe, neben dem Wasserfall in das Becken sprang.

Wasserfall-Kaskade
Wasserfall-Kaskade

Der Weg und die Schönheit des Wasserfalls haben entschädigt, auch wenn sie die Enttäuschung nicht wett machen konnten. Aber es kann ja besser werden. Es sind noch ein paar Tage Zeit.

Bereit zum Sprung?
Bereit zum Sprung?

Und beim Einkauf im Supermarkt habe ich noch von einer epischen Katastrope erfahren: Nationaler Kartoffelnotstand!

Kartoffel-Notstand in Neuseeland
Kartoffel-Notstand in Neuseeland