Heute neigt sich wieder ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu und soll Platz machen für ein Neues. Besseres. Schöneres. Spannenderes Jahr.
Klar ist, dass es heute zum "Lakehead Hut" am Ende es Lake Rotoiti gehen soll. Diese Hütte ist eine von vielen im ganzen Land, welche vom DOC (Department of Conservation) betrieben werden und an strategisch praktischen Orten nahe der vielen, vielen Wanderrouten liegen.
Manche dere Hütten bieten nichts als einen Unterschlupf, andere (wie die Lakehead) heißen "Serviced Hut", da sich jemand darum kümmert, dass Feuerholz bereit liegt  und vielleicht noch zwei, drei andere Sachen.
Trotzdem ist dort kein Komfort zu erwarten - fließend Wasser (eigentlich gesammeltes Regenwasser), eine Toilette (vulg. Plumpsklo) und ein Ofen zumm Feuer machen. Außerdem Doppelstock-Bänke und Matratzen.
Also muss alles andere mit:
Schlafsack
Kopfkissen
Handtuch
Toilettenpapier
Trinkwasser
Abendessen
Frühstück
Geschirr
Besteck
Gaskocher
Beschäftigung (Karten, Bücher)
...

Alles ein Mal auf den Rücken bitte. Und weil hier Neuseeland ist, packt man seine Innenjacke, die Regenjacke, die Regenhosen und die Wanderstiefen ein oder zieht sie an.

Zweite Sorge - für die Hütten muss man bezahlen. Dazu gibt es im lokalen Visitor-Center blaue und grüne Papierstreifen, deren einen Abschnitt man in der Hütte in eine Box wirft (wie die Vertrauenskasse am Straßenrand) und den Rest irgendwo am Rucksack befestigt. Damit ist sofort klar, wer gezahlt hat, für wie lang und wieviel (blau = 5$, grün = 15$).

Leider, leider zeigt NZ heute wieder, warum man hier immer Regensachen dabei haben sollte. Es schüttet wie aus Eimern. Bei einem 3 bis 4-Stunden Marsch sind das keine guten Aussichten, besonders da es mein erster Track sein wird.
Zum Glück gibt es eine Alternative - am lake Rotoiti verkehrt ein Wassertaxi, das drei Mal täglich für 30$ pro Person bis kurz vor die Hütte fährt, oder nach Voranmeldung für 100$ jederzeit fährt.

Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi
Lake Rotoiti - Links das Wassertaxi

Die Entscheidung ist einfach: 14:45 steh ich am Taxistand (aka Steg) und steige für 15 Minuten in ein stark motorisiertes Schlauchboot und lasse meinen Rucksack und mich mitten in den Nationalpark bringen. Dort warten auch schon Gäste für die Rückfahrt und das Wetter unterstreicht, dass es heute keine super Idee wäre zu wandern.
Die 15 Minuten restlicher Weg sind schnell geschafft und es zeigt sich, dass vor uns schon drei Damen "eingecheckt" haben. Die drei sindn aus Wellington und verbringen ihre Weihnachtsferien gemeinsam beim Wandern über die Südinsel. Einen Track haben sie schon gemacht, hier startet der zweite. Die drei sind durch den Regen gelaufen und ich fühle mich als Weichei.
Da alle gesprächig sind wird es eine lustige Runde und als noch später am Abend zwei völlig durchnässte Seelen eintreffen fachen wir das Feuer noch stärker an. Die beiden bestätigen uns, dass es nicht mehr aus Kübeln regnet, sondern aus Badewannen.

Aussicht von der Hütte
Aussicht von der Hütte

Da die fünf anderen am nächsten Morgen weiter wollen - die einen 9 km weit, dabei 1000 Meter höher und die anderen gut 7 Stunden Weg vor sich haben, bleibt leider niemand bis Mitternacht wach und auch ich schlafe gegen elf ein. Die Nacht ist kühl ohne das Feuer und mit dem ewigen Regen, aber eigentlich geht das Jahr ganz gut zuende:
Einsame Hütte, kein Handy, kein Radio, kaum Menschen und... keine Deutschen.