Heute ging es spät los. Je mehr Zeit man Abends nutzt, desto später wird es morgens. Der Camper zwingt uns einen gewissen Rhythmus auf. Der Tag war mit viel Fahren verbunden. Wir sind von den Catlins aus, Nugget Point, zum Lake Ohau gefahren. Aus irgend einem komischen Grund ist das hier einer meiner Lieblingsseen. Leider spielt das Wetter heute nicht so mit und man kann die schöne Farbe des Wasser nur am Kanal erkennen. Dieser ist Teil der Hydro-Energie-Anlage, welche sich hier über vielleicht hundert Kilometer von See zu See erstreckt.

20190109 Lake Ohau

20190109 Lake Ohau Kanal

An dem Kanal gibt es jede Menge Fischer und es werden kommerziell Lachse gezüchtet.

Von dort ging es zum Lake Pukaki – wer in meinem Blog etwas sucht, wird sehen, dass es der verdammt noch mal tollste, türkis-farbene See der Welt ist. Nur heute wieder nicht. :-/

20190109 Lake Pukaki

Als letzte Station kommen wir zum Lake Tekapo. Der Blick von hier auf Aoraki – Mount Cook – ist majestätisch. So sehr, dass man in alter Zeit eine Kirche hier platzierte und den Blick noch heute als Touristenmagnet nutzt.

20190109 Lake Tekapo Bruecke

Neu ist eine Fußgängerbrücke von der kleinen Ortschaft „Lake Tekapo“ zur Kirche. Sie wurde im November 2015 eröffnet und war zumindest mir nicht im Gedächtnis.

Der See ist riesig und seine Lage sorgt für ordentlich Wellengang, wir man auf diesem Bild sehen kann.

20190109 Lake Tekapo Stein

Leider ist die Wettervorhersage für diese Nacht eher schlecht. Geplant war für mich ein Ausflug zum Mt. John Observatorium mit Sternen-Gucken. Ihr wisst, der Südhimmel fasziniert mich. Bei Wolken ist das aber irgendwie nicht so der Brüller. Also wieder: neu planen.

Wir stehen jetzt mitten im Ort Fairlie auf einem Parkplatz – wir sind einfach zur nächsten Station gefahren. Zum Glück gibt es hier immer neue Abenteuer. Eine Tür schließt sich, die andere stößt ein kleiner Kiwi auf :)

Heute ging es noch etwas weiter auf der Straße der Wasserfälle. Technisch gesehen ging es zurück, da wir am letzten einfach vorbei gefahren sind um noch Zeit für die Abendvorbereitungen zu haben.

Wir haben dann die Barrs Falls besucht. Diese sind etwas weniger spektakulär, aber doch sehr schön anzusehen. Und ein großer Pluspunkt: hier ist es menschenleer. Die Anfahrt geht über einige Kilometer Feldweg, aber der ist überraschend gut ausgebaut.

20190108 Barrs Falls

Anschließend sind wir zum Nugget Point Leuchtturm gefahren. Der liegt unheimlich spektakulär und man erlebt wie die Wellen sich links und rechts des Weges, tief unten, brechen. Ein Anblickt, der bei mir Schwindel auslöst. Ich bleibe tapfer und gehe über den schmalen Steg bis ran an den Leuchtturm. Die dortige Aussichtsplattform war dann zu viel des Guten. Ich bin zurück gelaufen.

20190108 Nugget Point

Nach diesem Ausflug kam leider raus, dass ich gestern falsch gerechnet habe und wir nicht zur Ebbe an den Moeraki Boulders sein können. Das ist insofern wichtig, als das dann die meisten Steine aus dem Wasser ragen und man sich viel ansehen kann. Mit ein klein wenig Frust habe ich mich an die Neu-Planung gemacht und, mal wieder, die nächsten Tage komplett verändert.

Der Ergebnis war aber überraschend gut. Wir sind zu einem kleinen Campingplatz gefahren, wo es Alpakas, Schafe, eine Ziege und Angus-Rinder gibt. Von dort sind wir gegen 18:30 zur Pinguinkolonie in der Nähe von Moeraki aufgebrochen und haben allerhand gesehen: riesige Meeresvögel – eventuell Albatrosse – Robben, die sich gegenseitig angeschnauzt haben, ein paar Robben die auf dem Gras am Wegesrand gechillt haben - wie sind die hier bloß hoch gekommen!? - und als besonderes Sahnehäubchen: die seltensten Pinguine der Welt in freier Wildbahn.

20190108 Robbe

Einige davon habe ich nur in der Ferne erahnt. Auf den Fotos habe ich sie mittlerweile bestätigt. Toll war aber, dass immerhin drei Stück so nah dran waren, dass man sie sehr gut sehen konnte. Und ein Geselle hat sich so nah an den Weg getraut, dass man in Ruhe schauen konnte. Ich habe ein paar Videos gemacht und natürlich Fotos. Aber insbesondere in der Erinnerung werde ich diese Bilder festhalten.

20190108 Gelbaugenpinguin

Da das Gelände vom lokalen Maori-Stamm betreut wird, ist auch heute irgendwann Schluss und das Tor wird verschlossen. Wir sind zu dem Zeitpunkt schon draußen und habe eine freiwillige Spende hinterlassen.

Höchste Zeit für den letzten Punkt des Tages: die Moeraki Boulders. Perfekt kugelförmige Felsen an der Küste. Etwa 70 Millionen Jahre alt.

Danach war echt Feierabend.

20190108 Moeraki

20190107 Uhrturm Gore

Unter dieser Uhr haben wir die Nacht verbracht. Unser Glücksgriff war es, in Gore eine Pizza zu kaufen und dann gleich dort zu bleiben. Die Stadt wirbt damit, besonders Camper-freundlich zu sein. Dazu gehört auch, dass mitten in der Stadt ein Streifen für Camper zum Übernachten angeboten wird. Eine öffentliche Toilette ist 100 Meter entfernt und es gibt sogar richtig gutes WLAN. Grandios.

Und: Die Uhr spielt eine freudige Melodie zu jeder halben Stunde. Habe ich letzte Nacht häufiger mal gehört. Und glaubt mir - da war ich weniger fröhlich.

Nach dem Auffüllen der Reserven im Supermarkt Countdown ging es auf eine Meer & Wasserfall-Tour.

Zuerst ein Leuchtturm und anschließend Slope Point. Die Bedeutung von Slope Point erläutert das Bild :)

20190107 Waitapa Point

 

20190107 Slope Point

 

Beide Orte haben eines gemeinsam: viele, hohe Wellen. Da könnte man stundenlang zuschauen. Bei Slope Point ist das allerdings gar nicht so einfach. Der Wind ist so stark, dass man Angst haben kann, weg geweht zu werden. Es ist einfach toll! Auf dem Bild unten sehen wir eine Welle, die gern mal 20 Meter hoch spritzt.

20190107 Slope Point Wellen

Der Weg dort hin hat auch seine besonderen Tücken. Es geht quer durch die Weide einer riesigen Schafherde, die sehr viel, sehr gut fressen. Aber ihr wisst ja: was vorne rein geht, muss hinten wieder raus. Die Tretminen sorgen für vorsichtige Schritte.

Da wir gefragt wurden, wo denn die vielen Schafe versteckt werden, von denen wir von früheren Reisen berichten. Die sind natürlich allgegenwärtig. Darum komme ich nicht auf die Idee, die Linse drauf zu halten. Euch zu Liebe hier doch mal ein Bild davon.

20190107 Schafherde

Ganz allgemein sieht man immer wieder Hügel in der Ferne, die von merkwürdig hellen Büschen bewachsen sind. Tja... das sind Schafe. Hunderte. Tausende. Und fast immer haben die Tiere unheimlich viel Platz sich zu entfalten. Wunderschön anzuschauen... Tolles Land!

Nach dem Meer und den Wellen ging es dann auf eine Strecke in den Catlins, die ich schon beim letzten Mal sehr mochte. Hier reiht sich ein Wasserfall an den Nächsten und jeder hat seinen eigenen Charakter. Ich verliere jetzt nicht viele Worte, sondern lasse einfach die Bilder hier.

20190107 Horseshoe Falls

20190107 Mattai Falls

20190107 McLean Falls

20190107 Purakaunui Falls

 

Oh weh… heute ging es sogar schon kurz vor 6 Uhr aus dem Bett. Der Luxus war: warme Füße. Da wir am Strom hängen hole ich den Heißstrahler raus und der machts schnell warm.

Das Frühstück ist schon gerichtet, aber etwas Körperpflege darf sein, das Bett muss abgebaut werden, alle Ladekabel verstaut und der Camper abfahrbereit gemacht werden. Ach… und wir müssen uns auch wetterbedingt etwas dichter einpacken. Es hat die ganze Nacht über geregnet und es regnet noch immer. Um den Camper hat sich ein kleiner, seichter Sumpf gebildet durch den ich in FlipFlops wate um das Stromkabel einzusammeln.

Es geht mit einem Bot raus auf den Lake Manapouri – der fünftgrößte See Neuseelands, der zweittiefste und ein total grauer Fleck vor der Linse. Im Audiokommentar erzählt der Skipper von den späten sechziger Jahren als das Wasserkraftwerk am fernen Ende des Sees erbaut wurde und Boote 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag mit Menschen und Material beladen hin und her fuhren.

Das Kraftwerk liefert genug Energie um 85% des Bedarfs der Südinsel zu decken. Dafür wird es allerdings nicht genutzt. Das Kraftwerk liefert im wesentlichen Strom für eine Aluminiumhütte in Bluff, wo ein australischer Rohstoffgigant Aluerze per Schiff anliefert, in der Schmelze mit billigem NZ-Strom verhüttet und dann in alle Welt verschickt.

Ich nutze die Gelegenheit um zu fragen, warum man das Kraftwerk nicht mehr besichtigen kann. Der Skipper erläutert, dass es vor Jahren ein Unglück in einem Kohlebergwerk gab und darauf hin die Anforderungen an unterirdische Besichtigungen erhöht wurden. In Manapouri hat man sich das geschenkt.

Alles was wir über das Kraftwerk hören ist beeindruckend, aber ohne Live-Show der GE-Turbinen bleibt es leider graue Theorie.

20190106 Doubtful Sound 1

Weiter gehts mit einem Bus quer über die Berge. Die Straße wurde auch Ende der 60er erbaut um die schweren Geräte zu transportieren. Der klassische Weg vom Hafen in Bluff hätte bedeutet ungefähr 30 Brücken zu erneuern, damit sie die viele Tonnen schweren Geräte tragen können. Stattdessen hat man die teuerste Straße Neuseelands gebaut. Damals 2 Dollar je Zentimeter.

20190106 Doubtful Sound 2

Der Weg ist spannend, aber die Wolken hängen so tief, dass wir kaum etwas sehen. Aber wenn es was zu sehen gibt, ist es atemberaubend. Wasserfälle, die innerhalb von zwei Stunden versiegen, sollte der Regen aufhören. Viele hundert Meter hoch. Einige Meter breit.

20190106 Doubtful Sound 3

Am Sound, eigentlich ein Fjord, angekommen kann einem der Atem stocken. Hunderte Meter hohe steile Wände an zwei Seiten. Dunkles, fast schwarz wirkendes tiefes Wasser am Boden und die weiße, undurchdringliche Decke aus Wolken.

20190106 Doubtful Sound 4

Wirklich ein Land zum bewundern und erhalten. Im Laufe des Tages wird übrigens immer wieder bestätigt, dass wir genau am richtigen Tag hier sind. Ein Tag mir heftigem Regen sorgt hier für „liquid sunshine“. Weil die Natur sich von ihrer imposantesten Seite zeigt...

20190106 Tree Avalanche

Auf dem letzten Bild sieht man übrigens eine "Tree Avalanche" - also Baumlawine. Hier gibt es kein Erdreich an dem sich die Bäume festkrallen. Der Untergrund besteht aus Mosen und anderen Pflanzen in denen sich die Farne, Büsche und Bäume mit ihren Wurzeln verankern und sich gegenseitig Halt geben. Immer wieder stört etwas das empfindliche Gleichgewicht und dann geht eine Lawine ab und die nächsten 150 Jahre muss sich diese Stelle langsam regenerieren.

Beeindruckend. Imposant. Das ist der Doubtful Sound!