Oh weh… heute ging es sogar schon kurz vor 6 Uhr aus dem Bett. Der Luxus war: warme Füße. Da wir am Strom hängen hole ich den Heißstrahler raus und der machts schnell warm.

Das Frühstück ist schon gerichtet, aber etwas Körperpflege darf sein, das Bett muss abgebaut werden, alle Ladekabel verstaut und der Camper abfahrbereit gemacht werden. Ach… und wir müssen uns auch wetterbedingt etwas dichter einpacken. Es hat die ganze Nacht über geregnet und es regnet noch immer. Um den Camper hat sich ein kleiner, seichter Sumpf gebildet durch den ich in FlipFlops wate um das Stromkabel einzusammeln.

Es geht mit einem Bot raus auf den Lake Manapouri – der fünftgrößte See Neuseelands, der zweittiefste und ein total grauer Fleck vor der Linse. Im Audiokommentar erzählt der Skipper von den späten sechziger Jahren als das Wasserkraftwerk am fernen Ende des Sees erbaut wurde und Boote 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag mit Menschen und Material beladen hin und her fuhren.

Das Kraftwerk liefert genug Energie um 85% des Bedarfs der Südinsel zu decken. Dafür wird es allerdings nicht genutzt. Das Kraftwerk liefert im wesentlichen Strom für eine Aluminiumhütte in Bluff, wo ein australischer Rohstoffgigant Aluerze per Schiff anliefert, in der Schmelze mit billigem NZ-Strom verhüttet und dann in alle Welt verschickt.

Ich nutze die Gelegenheit um zu fragen, warum man das Kraftwerk nicht mehr besichtigen kann. Der Skipper erläutert, dass es vor Jahren ein Unglück in einem Kohlebergwerk gab und darauf hin die Anforderungen an unterirdische Besichtigungen erhöht wurden. In Manapouri hat man sich das geschenkt.

Alles was wir über das Kraftwerk hören ist beeindruckend, aber ohne Live-Show der GE-Turbinen bleibt es leider graue Theorie.

20190106 Doubtful Sound 1

Weiter gehts mit einem Bus quer über die Berge. Die Straße wurde auch Ende der 60er erbaut um die schweren Geräte zu transportieren. Der klassische Weg vom Hafen in Bluff hätte bedeutet ungefähr 30 Brücken zu erneuern, damit sie die viele Tonnen schweren Geräte tragen können. Stattdessen hat man die teuerste Straße Neuseelands gebaut. Damals 2 Dollar je Zentimeter.

20190106 Doubtful Sound 2

Der Weg ist spannend, aber die Wolken hängen so tief, dass wir kaum etwas sehen. Aber wenn es was zu sehen gibt, ist es atemberaubend. Wasserfälle, die innerhalb von zwei Stunden versiegen, sollte der Regen aufhören. Viele hundert Meter hoch. Einige Meter breit.

20190106 Doubtful Sound 3

Am Sound, eigentlich ein Fjord, angekommen kann einem der Atem stocken. Hunderte Meter hohe steile Wände an zwei Seiten. Dunkles, fast schwarz wirkendes tiefes Wasser am Boden und die weiße, undurchdringliche Decke aus Wolken.

20190106 Doubtful Sound 4

Wirklich ein Land zum bewundern und erhalten. Im Laufe des Tages wird übrigens immer wieder bestätigt, dass wir genau am richtigen Tag hier sind. Ein Tag mir heftigem Regen sorgt hier für „liquid sunshine“. Weil die Natur sich von ihrer imposantesten Seite zeigt...

20190106 Tree Avalanche

Auf dem letzten Bild sieht man übrigens eine "Tree Avalanche" - also Baumlawine. Hier gibt es kein Erdreich an dem sich die Bäume festkrallen. Der Untergrund besteht aus Mosen und anderen Pflanzen in denen sich die Farne, Büsche und Bäume mit ihren Wurzeln verankern und sich gegenseitig Halt geben. Immer wieder stört etwas das empfindliche Gleichgewicht und dann geht eine Lawine ab und die nächsten 150 Jahre muss sich diese Stelle langsam regenerieren.

Beeindruckend. Imposant. Das ist der Doubtful Sound!